Ausgabe 
(24.10.1883) 85
 
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des 27. August noch zu Bett und wurde hinausgeworfen. Er fand seine Frau undsein Kind in der Küche oben auf dem Herd und flüchtete mit ihneu in die Berge. Dortwurden die Fliehenden mit glühender Äsche überschüttet. Lange irrten sie umher, undals sie endlich ein Dorf erreichten, wurden sie von den Eingeborenen vertrieben, undwollte Niemand ihnen etwas Nets oder Wasser geben.

So die glaubhaften Berichte; daß auch viele Uebertreibungen mit unterlaufen, isterklärlich. Das Tollste leistet wohl ein Korrespondent, derHaifische und Krokodile durchdie Luft fliegen" läßt. Das erinnert an Münchhäusen, wird aber sogar von großenBlättern (auch dasBerliner Tageblatt" gehört dazu) ohne Kommentar mitgetheilt.

Außer dem entsetzlichen Unglück, das immerhin 20,000 Menschen das Leben ge-kostet haben mag, ist am meisten die bedenkliche Gesinnung der Eingeborenenzu beklagen, welche zeigen, daß es nur eines geringen Anlasses bedarf, um den Vnlcaudes fanatischen Islam zu einer allgemeinen Eruption zu fuhren.

Alirndglockett.

Die Abcndglocken, die Abendglocken,

O wie sie meine Gedanken lockenWeit fort, so weitZu der Jugendzeit.

In des Walddorfs friedliche Einsamkeit.

Noch blüht am Kirchlein der Weiße FliederDie düst'ren Linden, sie grünen wieder,Und die KindcrschaarIm blonden HaarSpielt aus den Gräbern immerdar.

Sie singen stets noch die alten SängeDie Hcimatlante, die süßen Klänge,

Und seh'n den MannVerwundert an,

Den Fremdling, wie er nur weinen kann.

Hier unteren Steine, dort nntcr'm RasenRnh'n theure Herzen, die laugst genasenNach Sturm und StreitVon allem Leid

In des Grabes stiller Vergessenheit.

Mir ist's, als winkten mir liebe Hände,

Als hört' ich Stimme», die ich verstände;Kehr' ein, kehr' einNach Harm und Pein;

Nun komm' doch, komm' doch, wir harren dein!"

Die Welt, die Wüste durchirrt' ich lange,

Und müde bin ich vom schweren Gange;

Ein Pilger, der mattSich gewandert hat,

Grüßt sroh die Thürme der heil'gen Stadt.

Die Abcndglocken, die Abendglocken,

O wie sie laden, o wie sie locken!

Der Tag vergeht,

Die Nachtluft weht;

Bald werd' ich schlafen! es ist schon spät. F. Weber.

M i s c e l l e n.

(Ueber die häuslichen Beschäft-igungen des himmlischen Kaisers")bringt derNorth China Herald" folgende Mittheilung. SeineMajestät" ist jetzt elf,Jahre alt und wird erst nach fünf Jahren für volljährig erklärt werden. Jetzt heißt'man ihn nochFo-Ieh", den Buddha-Bater, und diejenigen, die in seiner Nähe er-scheinen dürfen, beten ihn als einen Gott an. Er war nicht im Purpur geborenund das war ein Glück für ihn, denn jetzt getraut sich ihn Niemand anzurühren. Alser ein unbedeutendes Prinzchcn war, wurde er geimpft. Seine Mutter besucht ihn ein-mal jeden Monat und kniet vor ihm nieder, jedoch um sich unverzüglich wieder zu er-heben; auch sein Batcr thut dasselbe. Acht Eunuchen bedienen ihn bei Tag und beiNacht, während die Zahl der Diener bei besonderen festlichen Gelegenheiten zahllos ist.Dergöttliche" Knabe ist ganz allein, und die Eunuchen intcrveniren sofort, wenn er,,zu großen Appetit entwickeln sollte. Er lernt Chinesisch und Mandschn jeden Tag undzwar jede der beiden Sprachen während anderthalb Stunden. Zwei Stunden bringter mit Ncitübungen und Bogenschießen zu und im Winter fährt er im Schlitten aus.Seine Lehrer fallen, sobald sie zu ihm treten, aus die Knie nieder, dann aber sitzen sie..(Zas das arme Kind mit der übrigen Tageszeit anfängt, wird Niemanden mitgetheilt.