Ausgabe 
(24.10.1883) 85
 
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Er wohnt in den Gemächern seines Vorgängers und schläft in dem ungeheuren Bette,das mehrere Kaiser als Dioan benutzt haben. Die Minister machen ihm täglich ihreAufwartung um die vierte, fünfte und sechste Stunde des Vormittags, während er inder großen Nathshalle auf seinem Throne sitzt.

(Belohnte Unverschämtheit.) Ein Pariser Spezialarzt hatte so erzähltdasJournal des Debats " einen reichen Pastetenfabrikantcn aus Straßbnrg voneinem hartnäckigen Uebel geheilt. Eines Tages meldete sich der glücklich Genesene, umdem Doktor zu danken und eine Gänselebcr-Pastete anzubieten. Der Arzt fürchtete, dieAnnahme des Geschenkes könnte ihn verhindern, ein hohes Honorar zu fordern, undentgegnete, er habe den Grundsatz, niemals Geschenke anzunehmen; er begnüge sich mitdem Honorar. Nun erkundigte sich der Elsässer nach dein Betrage seiner Schuld.1200 Franken", war die Antwort. Der Besucher zog sein Messer aus der Tasche,zerschnitt die Pastete, nahm zwesi Tauseudfrankscheine heraus, die in einer silbernenKapsel sorgfältig verschlossen waren, und bat den beschämten und ärgerlichen Mann derWissenschaft, ihn: achthundert Franken zurückzugeben.

(Das idloir xln8 nitra. der Findigkeit) hat ein Berliner fertig gebracht,welcher dieTgl. Ndsch." um Gratis-Aufnahme folgenden Inserates angeht:FürRaritätensammler". Bekanntlich hing der Sieg der Schlacht bei Kuncrs-dorf au einem Haar. Dieses Haar habe ich nun nach langen mühevollen Aus-grabungen auf dem genannten Schlachtfelde gefunden. Gegen Einsendung von 2000Lstr. bin ich gern bereit, es reichen Engländern oder sonstigen Kuriositätensammlernportofrei zu überlassen. Näheres in der Exped. d. Blattes.

(Eine stete, sinnige Erinnerung an den 12. September 1683) denSieg scher den Halbmond des Islam, sind unsereHörnchen", die Wiener Kipfelu.Die lautere Freude über die glückliche Bcsiegnng des Kara Mustapha gab Wiener Bäckernden Gedanken ein, den Halbmond essen zu lassen, deshalb bücken sie vom Jahre1683 ab halbmondförmige Brode, die ihre zeitgemäße Bedeutung durch 200 Jahrenoch lebendig erhalten haben.

(Buchstäblich befolgt.) Herr (zu seinem Diener):Johann, geh'zum Bahn-hof, und schau', wann der letzte Zug abgeht." (Nach zwei Stunden kehrt der Dienerschweißtriefend zurück.) Herr:Ja, um Gottes Willen! Wo warst Du so langes" Diener:Ich hab' müssen höllisch lang' warten, aber jetzt ist er gerade abgefahren."

(Alle Tage jünger.)Gott, was sch'u Se aber gut aus, Herr Inspektor!Se werden wahrhaftig jeden Tag jünger!"Ja! wenn das so fortgeht, werde ichmir auch nächstens meine Windeln wieder hersuchcn lassen.""

(Die Wahrheit.) Unteroffizier:Was versteht man unter Heuchelei?"

Nekrut:Heuchelei ist-ist-wenn irgend Jemand sagen that: er hätt'-

seinen Vorgesetzten gern." _

ck! ii t h s c l.

Zwei Silben zählt das Wort; mag prunkvoll sein,

Was eS dir nennt, dich täusche nicht der Schein;

Das Innere prüfe, ob es Tand und Spreu,

Ob echtes Gold und Geistesnahrung sei.

Nun aber trenne rasch das Silbcnpaar,

Den Tonfall ändere; neuer Sinn ist klar;

Ob» steht im Bücherschrein, ob's schmückt den Hut,

Gleichviel; nur wähle stets, was schön und gut!

Auflösung deZ Räthsels in Nr. 84:Frei sprechen, Freisprechen."

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischcn Instituts von Dr. Max Huttler.