Ausgabe 
(27.10.1883) 86
 
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Nr. 86.

1883 .

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Äugstmrger postzeituug."

Samstag, 27. Oktober

Der GpnlrLng.

Roman aus dcm Englischen von E. C.

(Fortsetzung.)

Das Troussean wurde schon bald in Angriff genommen. Lena hatte ihren Ver-lobten gebeten, den antiken Opalring noch machen zn lassen, nnd dieser ging bereitwilliganf ihre Laune ein. Der folgende Nachmittag wurde zur Excursion festgesetzt, wo Fan-court mit dem Wagen kommen und Mrs. Dalton und Lena zum Goldarbeiter abholensolle. Bertha sehnte sich darnach, endlich einmal zu Hause zu sein. Je näher sie Fau-court kennen lernte, um so größeren Abscheu empfand sie gegen ihn. Es war ihr einschrecklicher Gedanke, die Zukunft der Schwester, welche sie so aufrichtig liebte, seinenHänden anvertraut zu sehen, und dann ermüdete sie auch dieses unaufhörliche Sprechenüber Kleider, Juwelen und Möbel, als ob außer diesem Ereignisse nichts Anderes aufder Welt mehr von Interesse sei. Die beiden Mädchen, deren Zimmer aneinander stießen,pflegten früher beim Zubettgehen über die Erlebnisse des Tages zu plaudern; aber jetztschloß Lena unter dem Vorwande, zu schläfrig für jegliche Unterhaltung zn sein dieThüre, so daß Bertha, ausgeschlossen von dem Vertrauen ihrer Schwester, sich doppelteinsam fühlte. Allerdings wurde ihr guter Geschmack und die geschickten fleißigen Händenichtsdestoweniger fortwährend in Anspruch genommen.

Sie war herzlich froh,- einige freie Stunden zn ihrer Verfügung zu haben undsetzte sich an's Klavier. Aber kaum hatte sie die ersten Akkorde angeschlagen, als Dou-glas eintrat. Sie sprang auf und begrüßte ihn mit freudigem Lächeln; die Anwesen-heit des Freundes war ihr in der gegenwärtigen Stimmung doppelt erwünscht.

Störe ich?" frug er, die Hand, die sie ihm entgegen streckte, ergreifend.

O nein, nicht im mindesten. Es macht mir Vergnügen, daß Sie gerade jetztgekommen sind; ich habe hier einige neue Lieder und möchte, wenn es Ihnen recht ist,Ihre Meinung darüber hören."

Es war Douglas recht, er liebte es, Bertha singen zu hören. Als sie geendet,wandte sie sich auf dem Klavierstuhlc um und unterhielt sich mit ihm über Musik. Nacheiniger Zeit sagte Douglas :

Werden Sie es mir verdenken, wenn ich Sie um etwas frage, was mich demAnscheine nach nichts angeht? "

Glauben Sie, daß ich Ihnen so leicht böse sein kann? Was ist es?"

Auf dem Wege hierher sah ich Ihre Mutter und Schwester mit Mr. Faucourtim Wagen sitzen. Hat das etwas zn bedeuten?" Douglas stellte diese Frage mit außer-gewöhnlichem Ernste.

Ja, sogar sehr viel. Ihnen darf ich wohl mittheilen, daß meine Schwester mitMr. Faucourt verlobt ist."