682
„Wirklich? Also ist es so weit gekommen?" rief er in solchem Schrecken aus,daß Bertha überrascht sagte:
„Sie ängstigen mich, Mr. Douglas. Was haben Sie gegen Mr. Fancourt?"
„Ich kenne ihn persönlich nicht; vor einigen Wochen traf ich ihn zum ersten Male- hier und seit der Zeit traf ich ihn nicht wieder. Von Herzen wünschte ich, daß diesessich nicht ereignet habe." Die Worte selbst beunruhigten Bertha weniger, als der Ton,in welchen: er sprach:
„Sie wissen mehr, als Sie mir sagen wollen; bitte verhehlen Sie mir nichts."
„Douglas erhob sich und trat an's Fenster; er schien seine Gedanken sammelnzu wollen."
Seinen Platz wieder einnehmend sagte er:
„Ich hätte schweigen sollen, es war thöricht von mir, denn ich darf Ihnen keinenähere Aufklärung geben, da es ein Geheimniß betrifft, welches nicht das meinige ist.Und nun habe ich Ihnen diesen Schrecken eingejagt, und Sie werden mich für einennasenweisen Burschen halten, der sich in Sachen mischt, die ihn nichts angehen und dabeinicht mehr Verstand im Kopfe hat, als Pinch hier", fügte er, diesen bei den Ohrenziehend, hinzu.
„So werde ich nicht denken, obschon ich nicht leugnen kann, daß ich sehr in Sorgebin, namentlich, weil meine Gefühle, wie ich Ihnen nur offen gestehen will, vollständigmit den Ihrigen übereinstimmen. Meine Mama und Lena darf ich ohne einen gewichtigenGrund angeben zu können, nicht warnen, Sie würden es nur als Vorurtheil meinerseitsansehen."
„Nennen Sie es lieber das Erkennen Ihres reinen Herzens", erwiderte Douglas .Nach einer Pause hub er wieder an: „Wollen Sie mir versprechen, mich den Tag, anwelchem diese Hochzeit stattfinden soll, frühzeitig wissen zu lassen?"
„Gewiß, denn ich bin überzeugt, daß sie mich ohne wichtige Gründe nicht darumersucht hätten. O Mr. Douglas , wie unglücklich haben Sie mich gemacht!" rief sieerregt aus, während sich ihre Augen mit Thränen füllten.
„Unglücklich! Wo ich mein Leben hingeben möchte, um Sie glücklich zu machen!"betheuerte ungestüm der junge Btann.
Bertha, welche, den Kopf in die Hand gestützt, sich auf's Pianino gelehnt hatte,blickte überrascht auf.
„Schenken Sie meinen Worten keinen Glauben?" rief er mit einer Stimme, inwelcher die ganze Zärtlichkeit seines Herzens lag, aus. „Sie bedürfen eines Beschützers;lassen Sie mich Ihr Beschützer — Ihr Gatte sein! O, Bertha, ich liebe Sie so unaus-sprechlich, ohne Sie gibt es für mich kein Glück auf der Welt!"
„Sie lieben mich?" frug Bertha erstaunt in das lebhafte schöne Antlitz vor ihrschauend, gleichsam ob sie sich vergewissern müsse, daß sie recht gehört habe. „O wieMich das betrübt!"
„Betrübt?" wiederholte der junge Mann, indem alle Farbe von seinen Wangenwich. „Können Sie mich denn nicht ein klein wenig lieben, Bertha?"
„O ja, ich babe Sie sehr gerne", betheuerte diese eifrig, da sie den Schmerz ge-wahrte, der ihre Worte hervorgerufen hatte, „nur nicht in dieser Weise, — nur nichtin der Weise, in der Sie meinen."
„War ich zu voreilig? Würden Sie mir eine andere Antwort gegeben haben, wennich länger gewartet hätte? Theuerste Bertha, ich liebe Sie so innig — gibt es denngar keine Hoffnung für mich?"
„Sie schüttelte traurig den Kopf.
„Es thut mir unendlich leid", sagte sie unter strömenden Thränen; „aber die Zeitkann keinen Unterschied hervorbringen. Vielleicht hätte ich dies wissen müssen, ich dachtejedoch nie daran, da ich glaubte, wir seien nur Freunde."