Ausgabe 
(31.10.1883) 87
 
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einer gewissen Verachtung der eigenen Unfruchtbarkeit sehr oft das, was er des Morgensgemalt hatte, wieder weg.

Es taugt nichts; mein Talent scheint mich im Stiche zu lassen", sagte er zu sichselbst, nachdem er vergeblich versucht, einen Theil des Vordergrundes zu seiner Zufrieden-heit hervorzubringen. Ich muß fort von hier, ich muß aus der ganzen Geschichte heraus.Wenn etwas entdeckt worden ist, so werde ich es erfahren. Und was liegt mir über-haupt auch jetzt daran. Thor, der ich war; in ihrer Nähe zu verweilen, da ich dochwußte, daß Douglas sie liebe! O Bertha, meine Liebe, mein Alles! Keine Andere aufder ganzen Welt kann je Deine Stelle in meinem Herzen ersetzen. Werde ich es er-tragen können, wenn Deine süßen Augen mit liebendem Blicke auf einem Anderen ruhen,Deine theure Stimme einen Anderen mit dem WorteGatte" bezeichnet? O, ich warein Narr! Ich vertraute meiner Kraft und wie schwach habe ich mich erwiesen. Welcheöde Wüste wird mir die Welt ohne sie sein doch darf ich sie nie mehr wiedersehen!"

Mit lautem Aechzen legte er seinen Arm um die Lehne des Stuhles und stützteden Kopf darauf. Er war nicht eine von jenen Naturen, deren Liebe einer Blume zuvergleichen ist, welche am Morgen blüht und in der darauf folgenden Nacht wieder ver-welket; die seinige hatte mit Achtung und Theilnahme begonnen und ehe er sich dessenselbst bewußt, sein ganzes Herz in Besitz genommen. Nie, keinen einzigen Augenblickwar es ihm eingefallen, als Nebenbuhler seines Freundes aufzutreten. Eher Hütte ersich das Herz aus dem Busen reisen lassen, als daß er zum Verräther an Douglas , derihn in sein Vertrauen gezogen, geworden wäre, indem er nach dem Preis gestrebt,welchen dieser zu erringen hoffte.

Als er vor einiger Zeit verlassen und trostlos in London ankam, da hatte Dou-glas seinem Worte geglaubt und ihm seine Freundschaft geschenkt. Er mochte leidentief und schmerzlich leiden, dennoch sollte keine unehrenhafte Aeußerung oder That ihnje erniedrigen.

Nachdem er geraume Zeit so gesessen, erhob er sich und legte Palette und Pinselweg.Ich will mir ein Pferd miethen und versuchen, ob ein Spazierritt diese vergeb-lichen Wünsche und Sorgen zu verbannen mag. Eben hatte er seinen Rock gewechselt,als angeklopft wurde.

Douglas trat in's Zimmer, warf seinen Hnt auf den Tisch und ließ sich, ohneein Wort zu sagen, in den nächsten Sessel fallen. Er sah blaß und müde aus, alshabe er die Nacht durchwacht.

Sinn, Douglas, alter Junge, was fehlt Dir?" frug St. Lawrence, die Nieder-geschlagenheit des Freundes bemerkend.Was mir fehlt! O weiter nichts, als daß ichein Thor gewesen bin."

Wie so, was hast Du angefangen?"

Ich bin ein vollständiger Schwachkopf gewesen! Wie konnte ich mir nur einbilden,daß Bertha einem solchen wie mich lieben könne. Gestern wagte ich die verhängnisvolleFrage und erhielt einen sehr artigen der Himmel segne sie aber ganz entschie-derren Korb. Nun weißt Du, was mir fehlt; ich reise nach Rom oder auf die Spitzedes Montblanc oder über diedunkelblauen Gewässer" oder sonst wohin, bis ich alsgeheilter Mensch zurückkehren kann."

Sie wies Deinen Antrag zurück?" rief St. Lawrence, als ob er seinen Ohrennicht trauen könne. Daß die Bewerbung seines Freundes einen solchen Ausgang habenkönne, war ihm nie in den Sinn gekommen. Ein Strahl der reinsten Freude durch-strömte plötzlich sein Herz. Jetzt war die Wolke, welche sein Leben verfinsterte, aufeinmal von ihm gewichen. Und doch hätte er sich des inneren Jubels wegen zürnenmögen.

War es auch wirklich Ihr völliger Ernst, Douglas", frug er, sobald er überseine Stimme gebieten konnte.Ja, nur zu sehr; sie ließ mir nicht den leisesten Zweifel