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Miseellei«.
* (Woher der Name „Blaustrumpf" kommt.) Lang', lang', ist's her —es war zu Ende des vorigen Jahrhunderts — als in England zuerst das jetzt so miß-liebig gewordene Wort: „Blaustrumpf" auftauchte, und zwar in einer durchaus anderenBedeutung, als die gegenwärtige, wenn der Ursprung freilich auch ein literarischer ist.Im Jahre 1781. veranstalteten mehrere englische Damen Abendgesellschaften, in denennicht Karten gespielt, sondern durch Hinzuziehung geistreicher, litcrarisch gebildeter Männerein anregender Kreis gebildet wurde. Besonders zeichnete sich dabei durch seine Unter-haltungsgabe ein Gelehrter aus, dessen Anwesenheit an diesen Abenden so nothwendigerschien, daß man sehr froh war, die blauen Kniestrümpfc, die er stets zu tragen pflegte,auftauchen zu sehen, während man in Folge dessen sein Ausbleiben mit den Wortenbedauerte: „Wir können ohne die blauen Strumpfe Nichts anfangen!" — Diese Be-merkung führte zu dem Spitznamen: „Blaustrumpf-Klub" für die betreffende Gesellschaft,was einst Veranlassung gab, daß ein vornehmer Ausländer den Scherz für Ernst unddie Benennung: „Blaustrumpf" für den rechten Namen der Gesellschaft hielt. — Vondamals her ist dann die Bezeichnung „Blaustrumpf" für schöngeistige Bestrebungen, inKraft geblieben, nur daß im Laufe der Zeit der ursprüngliche Sinn sich endlich ganzverwischte, um dem ominösen, carricirten zu weichen, namentlich wenn es gilt, überweibliche Schriftstcllerei den Stab zu brechen. —
* (Leb er reime.) Die sogenannten „Leberreime" — diese bekannten zweizeiligen,deutschen Scherzgedichte — sollen ihren Ursprung iin Jahre 1750 durch Heinrich Schävius ,Rector zu Thorn, gefunden haben, und waren früher bei Gastereien, namentlich nachAustragung des Hechtes, oft auch beim Kreisen des Pokals zum Gesuttdheitstrinken, sehrbeliebt und gebräuchlich. Sie begannen: „Die Leber ist von einem Hecht und nichtvon einem . . .", worauf der Name des Thieres folgt, auf welches der Reim gemachtwerden muß. Jedes der Anwesenden mußte dann der Reihe nach einen Vers aus demStegreif in dieser Weise machen — zuweilen wurde auch statt des Hechts ein anderesThier gesagt. Ein solcher alter „Lcberrcim" lautete z. B.:
„Die Leber ist vom Hecht, und nicht von einer Gans;
Die Magd heißt Ursula, der .Hausknecht aber Hauns!"
(Das schweinerne Andenken.) Ein alter, schon pcnsionirtcr Postbote, wenner bei seinem Landgange in einen Bauernhof kam, wo er ein geschlachtetes Schweinhängen sah, fing zn weinen und jammern an mit den Worten: „Mei liaber Herr-gott, jetzt Hains mir dös Fackerl a umbracht und hab's so gern g'habt wia's no kloawar, geht, bitt' enk recht schö, gcbt's ma do no a Andenken davo'."
(Der Gipfel des Geizes») Ein Redakteur in Arkansas erzählt von einemManne, der so geizig ist, daß er durch die Nase spricht, um seine falschen Zähne zuschonen.
(Vor der Parade.) .Hauptmann (einen Soldaten bemerkend, dem der zweiteKnopf an seinem Waffenrocke fehlt): „Feldwebel, schreiben Sie den Mann auf! Kommtdieser verfluchte Kerl halbnackt auf die Parade!"
Räthsel.
Das Erste fliegt dahin geschwinder als ein Pfeil,
Du hältst es nimmer auf, es kehrt zurück nicht mehr.
Des Zweiten Griffe wirst du staunend bald erkennen,
Betrachtest du bei Nacht der Sterne zahllos Heer;
Das Ganze, sei's auch groß, vom ersten ist's ein Theil;
Wenn du Geschichte lernst, hörst du gewiß es nennen.
Nun rathe schnell, was ist's; die Antwort ist nicht schwer.
Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttlcr-