Ausgabe 
(3.11.1883) 88
 
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Nr. 88.

1883 .

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Äugslmrger postzeituug."

Samstag, 3. November

Der Gpalrmg.

Roman aus dem Englischen von E. C.

(Fortsetzung.)

Das habe ich nicht damit sagen wollen, Douglas , Du weißt, daß dies meineAnsicht nicht ist. Lieber Freund, wer kennte besser wie ich Dein warmes Herz. HastDu nicht treu zu mir gehalten in guten wie in bösen Tagen? Ich bin kein gefühlloserGrobian, Douglas !

Ich glaubte und vertraute Dir, weil ich nicht anders konnte. Wenn wir gehensollen, so komm; hier ist es zum Ersticken heiß. Was hast Du vor?"

Wahrend sie die Treppe hinuntergingen, s^te ihm St. Lawrence seinen Planauseinander; wir wollen den Zug bis Epsom benutzen, dort die Pferde zu miethensuchen, welche wir neulich hatten und dann einen tüchtigen Ritt landeinwärts machen.Wahrend die Thiere ausruhen, können wir irgendwo zu Mittag speisen, und gegenAbend kehren wir hierher zurück."

Der Henker hole das Mittagessen!" rief Douglas verächtlich aus.

Das war früher nicht Dein Grundsatz, alter Freund. Erinnerst Du Dich desVages, wo wir zusammen im botanischen Garten waren und Du mich später mit zumDiner schlepptest, damals sagte auch ich:Der Henker hole das Mittagessen", geradewie Du jetzt."

Ah, das war an dem Tage, an welchen: wir Bertha antrafen und wo Du soentzückt von Lena warst!"

Weil mich die Außenseite blendete. Dieser Schwärn: war rasch verflogen."

Douglas blickte den Freund forschend an; eine Frage schwebte auf seinen Lippen,doch besann er sich eines Besseren und schritt, einen Seufzer ausdrückend, schweigendweiter. Die belebten Straßen, sowie das Eisenbahn-Conpö eigneten sich nicht zu ver-traulicher Unterhaltung; daher langten die jungen Leute zu Epson : an, ohne die An-gelegenheit, welche sie beide so sehr beschäftigte, weiter erörtert zu haben. Die gewünschtenPferde standen zu ihrer Verfügung, und kurze Zeit nachher führte ihr Weg sie südwärtsden lieblichen Hügeln von Surrey zu.

Welch' angenehmen Gegensatz bildeten die schönen Bäume und üppigen Wiesen zuder Hitze und dem Staube Londons . Alles athmete Ruhe und Frieden hier. DieReiter, von denen jeder seine Sorge mit sich trug, empfanden schon bald, welche wunder-bare Heilkraft der freien Natur inne wohnt; sie fühlten sich erleichtert und neu gestärkt.

In der Nähe eines Dorfes bemerkten sie ein hübsches, von einen: kleinen Gartenumgebenes und von hohen Bäumen fast ganz verborgenes Landhaus.

Das ist ein reizendes Versteck!" rief St. Lawrence ganz entzückt aus.Ichhätte nicht übel Lust, wenn das Schlimmste eintreffen sollte, mich in eine solche un-muthige Einsiedelei zu vergraben."