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„Doch wohl nicht allein?" frug Douglas , in welchem sich von Neuem die Eifer-sucht zu regen begann.
„O, das weiß ich nicht, darüber läßt sich jetzt noch nichts bestimmen", lautete dieausweichende Antwort, um dem Freunde den Kummer zu ersparen.
Während St. Lawrence noch redete, traten zwei Personen aus dem Hause herausund schritten über den Gartenpsad dem Thore zu, eine schöne brünette, auffallend ge-kleidete Frau und ein ziemlich kleiner Mann mit schwarzem Haare. Letzterer machte denEindruck eines Bedienten ohne Livr«.
„Bestellen Sie ihm, er möchte sofort hierher kommen", sagte die Frau in demAugenblicke, als die Freunde im Schritt vorüberritten.
Der kleine Mann antwortete bejahend, griff an seinen Hut und schlug dann dieRichtung nach dem Stationsgebäude ein. Die Dame schritt langsam dem Hanse zu.St. Lawrence und Douglas blickten sich gegenseitig überrascht an. „War das eineTäuschung?" frug ersterer. „Auch ich war anfangs erstaunt, aber wir haben unsgewiß geirrt."
„So würde auch ich denken, wenn ich nicht die Vermuthung hätte, diese Frauschon früher gesehen zu haben. Ihr Gesicht ruft mir unangenehme Jngenderinnerungenu's Gedächtniß zurück. Aber es muß ein Spiel der Phantasie sein, denn die Person,auf welche ich anspielte, ist jedenfalls Tausende von Meilen von hier entfernt.
„Man kann heut zu Tage nie sagen, wo sich Jemand aufhält. In wie seltsamerWeise trifft man nicht öfters mit alten Bekannten zusammen."
Nach kurzem Besinnen sagte St. Lawrence: „Es würde mich nicht allzu sehr inErstaunen setzen."
„Du sollst sehen, schon in nächster Zeit wenden sich die Dinge zu Deinem Vor-theil. Ein prophetischer Geist scheint über mich gekommen zu sein", setzte Douglas mitseiner früheren Lebhaftigkeit hinzu.
Dann prophezeihe uns doch auch ein Cotelette und ein gutes Glas Ale", scherzteSt Lawrence. „In der -Nähe jenes Kirchthurmes befindet sich ein Wirthshaus, in welchemsich die Herren, welche hier in der Gegend anlangen, zu versammeln pflegen. Dort werdenwir jedenfalls eine gute Bcwirthnng antreffen."
Z w ei u n d z w a uz i g st c s Capitel.
Die beabsichtigte Reise nach Larkspur mußte auf unbestimmte Zeit hinaus ver-schoben werden. Lord Alphington schickte einen sehr liebenswürdigen Brief, worin erseiner Freude, Miß Dalton als Angehörige begrüßen zu können, Ausdruck gab und gleich-zeitig die Absicht anssprach, sie so bald als möglich persönlich aufsuchen, zu wollen. AuchSir Stephan und Lady Langley hatten sehr freundlich geschrieben, doch vermied letzterees so viel als thnnlich zu gratuliern, und verweilte dagegen länger bei den Wünschenfür die Zukunft. Sir Stephan nahm sich als alter Freund der Familie die Freiheit,fünfzig Pfund Sterling, eine kleine Beisteuer zu Lena's Trousseau, einzulegen, was sehrbeifällig aufgenommen wurde.
Faucourt drängte daraus, den Tag der Hochzeit festzusetzen und Mrs. Dalton,äußerst zufrieden mit ihrer Umsicht, die Aussteuer so bald begonnen zu haben, erklärtesich mit seinen Wünschen einverstanden. Anfangs Oktober sollte bei einer befreundetenFamilie, deren Sohn großjährig wurde, ein Ball stattfinden. Lena bestand darauf, ausGründen, die sie geheim zu halten wünschte, diesen Ball noch vor der Hochzeit mitzu-machen. Weiter hatte sie gegen die Bestimmungen ihrer Mutter nichts einzuwenden.
Der glückliche Bräutigam kam täglich nach Joy Collage. Doch mußte er vor seinerHochzeit einige gewichtige Geschäfte abmachen.
„Ich werde nach Surrey fahren und dort bis zu meiner Verheirathung bleiben",