theilte er seinem vertrauten Diener John während des Frühstücks mit. Nnhe ist mirunbedingt nothwendig, da ich vollständig herunter bin.
„Mrs. Lemont wird erfreut sein, Sie Zu sehen, Sir", bemerkte John,
„Ohne Zweifel", sagte Faucourt, nach einer Straßbnrger Pastete langend. „Esist nicht meine Absicht, in dem Landhanse zu, wohnen, sondern ich werde mein Quartierin dem Wirthshansc Angler's Rast aufschlagen, Du begleitest mich natürlich — vielleichtbedarf ich Deiner dort. Sorge, daß meine Sachen morgen gepackt sind. Ich willim Dog-cart hinfahren, wer weiß, wozu ich ihn nöthig habe."
„Zu befehlen, Sir", entgcguete der allzeit bereitwillige John.
„Und noch eins. Ich nehme die Juno mit; es wäre ja möglich, daß ich SirTrcvor Sutton's Jagd benutzen könnte."
Die Juno war ein weiß und braun gesteckter Jagdhund, den Faucourt von demFörster zu Alphington Park erhalten hatte. Sie war sehr scheu in der Gegenwart ihresneuen Herrn, da Fußtritte und Verwünschungen ihr bis dahin unbekannte Dinge gewesen.Für John zeigte sie dagegen eine große Anhänglichkeit.
So oft Faucourt sich nicht bei seiner schönen Braut befand, ward er aus irgendeinem geheimen Grunde von der entsetzlichsten Unruhe und Angst gepeinigt. Durch un-mäßiges Trinken und Schwelgen suchte er sich dann in der Regel zu betäuben und dienervöse Abspannung, welche sich in Folge dessen einstellte, war schrecklich anzusehen. —John beobachtete seinen Herrn aufmerksam und zog seine eigenen Schlüsse.
Das Verhältniß zwischen Lord Alphington und seinem Enkel wurde mit der Zeitnicht besser. Der junge Mann war einige Tage zur Hühnerjagd in Alphington Parkgewesen und diese kurze Zeit hatte hingereicht, um die frühere Abneigung des Carl zuvollständigem Widerwillen heranzureifen. Schon nach Ablauf einer Woche gab er seinemEnkel ziemlich deutlich zu verstehen, daß es besser sei und einen vollständigen Bruch vcr-! hüten werde, wenn sie beide sich so wenig wie möglich sähen. Faucourt fand ebenfallskein Vergnügen an der Gesellschaft seines Großvaters, dessen edle Gesinnung und vor-nehmes Wesen ganz und gar nicht zu seiner Anschauungsweise paßten. Die ländlichenVergnügungen sowie die Freunde des Carls sagten ihm ebenfalls nicht zu und er scheutesich nicht, offen zu erklären, daß er das dortige Leben fürchterlich langweilig finde. Wenner später der Earl sei, so werde er einen Verwalter zu Alphington Park wohnen lassenund nur zur Jagdzeit mit seinen Freunden dorthin gehen. Diesen alten, lästigen Kerl,Sir Stephan, sammt der übrigen Sippschaft, wollte er sich dann auch schon vom Halse! schaffen. Nach diesen Aeußerungen zu urtheilen, rief seine Verbannung von dem Laud-I sitze und dem alten Herrn nicht diese innere Unruhe hervor. Auch spielte er nicht, das
' war eins von den wenigen Lastern, welches er nicht besaß, mithin belästigten ihn weder
Gläubiger noch Mahnbriefe. Die Ursache der ruhelosen Nächte und Tage mußte alsoanderswo zu suchen sein.
Es war ein schöner Herbstabend, als Mr. Faucourt sich auf dein Wege zu einem
der reizendsten Flecken in ganz Surrey befand. Die Fahrt schien jedoch wenig zu einer
Erheiterung beizutragen; der herrlichen Gegend schenkte er nicht einen einzigen bewundern-den Blick, sondern fuhr immer rastlos weiter wie Jemand, dessen alleiniger Zweck esist, sein Ziel so bald als möglich zu erreichen. Mit John wechselte er kein Wort; diesergab sich alle erdenkliche Mühe, Juno mit der für sie neuen Art der Fortbewegung aus-zusöhnen.
Zu Angler's Rast angekommen, miethete sich Faucourt die besten Zimmer, bestelltedas Mittagessen und ging dann allein zur Villa hinüber.
Mit zusammengepreßten Lippen und finsterer Stirne öffnete er das Thor undschritt dem Hause zu. Mrs. Lemont schien ihn bemerkt zu haben, denn sie empfing ihnselbst an der Hausthüre. Zu ihrer größten Ueberraschung begrüßte er sie weit zärtlicher,als seit langer Zeit.