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Polizeiagenten übergeben worden ist? Wenn Dn den Ring vorzeigst, wirst Dn Dichdarüber zn verantworten haben, wie er in Deine Hände gekommen ist."
„Und das werde ich thun!" rief sie in größter Anfregnng aus. „Meinst Du, esläge mir etwas daran, was aus mir wird! Ich werde ihnen sagen, wer ich bin; anDir wäre es, dies zn leugnen!"
„Was ich unzweifelhaft thun würde", cntgcgnete er mürrisch. „Julie, ich bitteDich, sei doch vernünftig, Du kannst ja nichts dadurch gewinnen, daß Du mir Schadenzufügst durchaus nichts; denn wer könnte mich zwingen, Dir Deine Jahresrente aus-zuzahlen. Ich will sie Dir nicht vorenthalten, obschon, beim Henker, mein Beutel gründ-lich von Dir und Deinem verdammten Bruder ausgequetscht wird."
„Wer Dich zwingen könnte, mir die Jahresrente auszuzahlen? Dn weißt, daßDn nicht wagen darfst, dies zu unterlassen, da Du in meiner Gewalt bist. Ich werdenicht gehen, obschon Dn es willst; ich bin des Wartens müde. Soll ich hier meinLeben vertrauern, während Du Deine Tage in Saus und Braus zubringst; o nein,glaube das nur nicht, Du hast mir vorgeschwindelt, Lord Alphington sei alt und schwach."
Faucourt war kreideweiß geworden, der Kampf in seinem Innern trieb ihm den
kalten Schweiß auf die Stirne. „Ist es Dein fester Entschluß, nicht fort zu gehen?"
frug er mit gepreßter Stimme. „Man wird noch sicherern Gewahrsam für Widersetz-lichkeit zn finden wissen, als Frankreich und Amerika ."
„Willst Du mir drohen? Nimm Dich in Acht!"
„Das werde ich thuu'ff zischte er zwischen den Zähnen durch, als er sich von
seinem Sitze erhob. Ich bleibe noch einige Tage hier im Orte, vielleicht haft Du vor
meiner Abreise einen anderen Ton angeschlagen."
„Nein, nein — tausendmal nein!" schrie Julie, sich ebenfalls erhebend. „Ichhabe Dich gewarnt, einmal — zweimal. Nur noch kurze Zeit und ich werde handeln."
„Ja, Du hast mich gewarnt", wiederholte er, seinen.Hut ergreifend. „Ich wünschtenicht mit Dir zn streiten, Julie, auf Ehre nicht; in der besten Absicht kam ich hierher."
Er wich ihrem Blicke aus, während er dieses sagte und glättete mit dem Hand-schuhe seinen Hut.
Du kamst hierher, um das zn erlangen, was Dn wünschest", cntgcgnete sie bitter.„Auch ich liebe den Zank nicht, nur wollte ich Dir zu verstehen geben, daß ich nichtbei Seite geschafft sein will. Du hast Deine Rolle zu spielen und ich die meinige. Wirhaben Vieles zusammen durchgemacht, Sedley", fuhr sie im weicheren Tone fort, „wes-halb sollten wir uns jetzt feindlich gegenüber stehen?"
„Das hängt von Dir ab", antwonete er verdrießlich. „Ueberlege Dir meinenVorschlag."
Julie schaute ihm mit erhitzten Wangen und zusammengezogenen Augenbrauen nach.
„Er sucht mir etwas zn verheimlichen", sprach sie bei sich. Plötzlich stieg einVerdacht in ihr auf, bei dein sich ihr Herz krampfhaft zusammen zog. „Sein Dienerwird wissen, wen er kennen gelernt hat und wo er zn verkehren pflegt. Ich will ihnausfragen."
„Juno scheint krank zu sein, Sir", sagte John am folgenden Tage zn seinemHerrn, „sie verschmäht ihr Fressen und läßt den Kopf so merkwürdig hängen."
„Es wird nicht so schlimm sein", cntgcgnete Fanconrt sorglos. „Laß sie nur inRuhe, ich werde selbst nach ihr sehen."
John erwiderte nichts, sondern fuhr fort, die Kleider seines Herrn zurecht zu legen.Als seine Dienste nicht länger erforderlich waren, begab er sich hinunter zur Küche, stecktesich seine Pfeife an und überdachte das Erlebte.
(Fortsetzung folgt.)