Ausgabe 
(3.11.1883) 88
 
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Najuvaren in Nngarn.

Haben Sie schon einmal etwas von denHeanzen" gehört? Vielleicht ja, aberauch dann nicht recht Ausführliches. Die Heanzcrei erstreckt sich durch's Oedenburgcrund Eisenburger Comitat längs der niedcrösterreichisch-steicrmärkischen Grenze von Saner-brnnn (Secseuyäd) bis Limbach (Lendoa) und hinein bis an die Gestade des Neu-siedlersces. Die Bevölkerung dieses Landstriches ist nur wenig mit Ungarn und Croatcnuntermischt und besteht zum allergrößten Theil aus deutscher, unzweifelhaft bayerischerAbstammung, was sich im Dialekt, in vielen Gebräuchen und Sitten kundgibt. Merk-würdiger Weise laufen da zwei Dialekte neben einander selbst in einem und dem-selben Orte her.

Der eine ist das uuverfälschcste Oberbaycrisch, fragt man einen, ob er ein Kindhabe, so antwortet er:Oan's und dös a kloan's." Der andere ist das eigentlichHeanzisch", welches in der häufigen Anwendung dasi" als Auslaut erkennen läßt,z. B.:Der Bni hat scho gnntt" und dasan" bei Namen:Sanndel" Susanna,Naundcl" Anna.

Doch will ich nicht vorgreifen, sondern in geographischer Reihenfolge meinenGegenstand behandeln. Sobald wir bei Sauerbrunn hinter Wiener Neustadt die un-garische Grenze überschritten, folgt die Station Retfalu-Siklüs der Sndbahn, die hiergenannten Orte heißen auf deutsch Wicscn-Sicgleß und da wohnen dieRepetirheauzcn",so oenannt nach deren Redeweise.

Die Wiesener pflanzen viel Obst, mit dem sie nach Wien oder Ocdenburg Handeltreiben, auf allfallsige Fragen antworten sie:Vo da Wiesen sama und sama, weil mavon da Wiesen sau" oder:Auf Ocdenburg fahr i" und so gibt es noch reiche Dia-lektvarianken. Im Ganzen zählen die Deutschen der genannten beiden Comitaie eineViertelmillion Seelen und zählen beide zusammen im Ganzen überhaupt 562,452 Ein-wohner, gehören also der Ausdehnung nach zu den dichtbevölkertsten Gespanschaftendes Landes.

Ein tüchtiges und fleißiges Volk ist dieser bajuvarischc Zweig auf fernem Boden,dem sie die edelsten Trauben und den besten Wein, den Coucurrcuten des Tokayer, denRuszter", und das beste Obst abgewinnen.

Von ausgezeichneten Männern, welche ausHeanzischem Boden" erwuchsen, habenwir in erster Reihe den großen Anatomen Joseph Hyrtl und den Pianokönig FranzLiszt hervorzuheben, außerdem aber nehmen Deutsche der beiden Comitate im Lande inden hervorragendsten Lebensstellungen ihren Platz ein.

Einst gehörte der ganze Landstrich zur karoliugischcu Ostmark und Eisendstadt(Kis-Morton) verdankt seinen Ursprung den deutschen Rittern jener Zeit. Heute sinddiese Deutschen trotz der Nähe der österreichisch-steierischen Grenze die trcuesten Söhnedes Vaterlandes. Diese Erscheinung, daß der Deutsche seinem Adoptivvaterlande eintreuer Sohn ist, steht nicht vereinzelt da, wir brauchen nur auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika hinzuweisen, deren Staaten bildendes und erhaltendes Element dieDeutschen sind, welche während des Secessionskrieges der Union die größten Opferbrachten. So war es auch 1848 49 hier der Fall, diesseits der Donau theiltenZipscr dem Schliek'schen'Corps und jenseits der Donau Bajuvaren den Croatendeutsche Hiebe" aus und der Günzer Honväd meinte auf Befragena Schwab bin i, aber anungarischer."

Wie gesagt, fleißig und genügsam ist das Volk hier, dabei aber viel beweglicherund aufgeweckter, als die steierisch-uiederösterreichischeu Nachbarn vom gleichen Stamme;das liegt aber zum großen Theil in den politischen Verhältnissen, welche in Ungarn einunbegrenzt freies Sprechen und Schreiben gestatten, dann aber darin, daß die Leute hier,in altem Municipium seit Jahrhunderten ansässig, kleine Patricier-Republiken bilden. Einederselben ist Ruszt mit nur 1396 Einwohnern, aber schon seit zwei Jahrhunderten