703
königliche Frcistadt und vorher bis zurück in's 14. Jahrhundert „privilegirter Markt".Hier gab es noch alten «»getheilten Familienbesitz und weist z. B. die Wählerliste fürdie Repräsentanz nur 97 Personen aus, dagegen aber nur etwa 60 Namen, da u. A.10 „Schreiner", 7 „Wasch" rc. zu den Höchstbesteuerten gehören. Vermögen von 80bis 100,000 Mark Besitz gehören nicht zu den Seltenheiten, und stehen die Leute auchnicht darauf au, ihre Producte rasch zu veräußern, sondern heben gute Jahrgänge auf.Unlängst wurden hier 1878er Weiß- und 1876er Nothwein mit 60—100 Gulden120—200 Mark) pro Hektoliter nach Qualität bezahlt, ein altes Faß Ausbruch abermit 240 Gulden der Hektoliter.
Vorn Nothwein vorn Neusieiuerfee werden Sie auch noch nicyt viel gehört haben,aber der von Rnszt, Mörbisch , Margarethen ?c. wandert in's Ausland, wird auf Flaschengezogen und hübsch vignettirt als theuerer Bordeaux verkauft und kann selbst vorn Kennernur schwer unterschieden werden.
Nach dieser vinologischcu Abschweifung — die aber mit zur Sache gehört — wollenwir wieder zur Charakteristik des Volkes übergehen. Da es hier unendlich reiche undleicht zugängliche Säuerlingsquellen gibt, so trinken die Leute selbst zur Arbeitszeit imSommer Sauerwasser. Bon Montag früh bis Samstag Abend wird tüchtig gearbeitetund dann ein fröhlicher Sonntag gemacht, ohne aber dabei auszuarten. Leichte Anhei-terungen „a Dampf" und „a kloans Schwammerl", das gibt es dabei, aber ein Stock-besoffener gehört zu den Seltenheiten. Die Mädchen sitzen im Sonntagsstaat undsingen im Chor Lieder, deren Text aber nicht immer harmlos ist, wie z. B. jenes „Vonder Kellnerin auf der Wiener Straßen". Etwa 80,000 der Deutschen dieser beidenComitate (Ocdenbnrg-Eisenberg) sind Protestanten Augsburger Konfession, aber Katholikenund Lutheraner, Deutsche, Magyaren und Croaten leben hier in Frieden zusammen.
Raufereien kommen au Sonntagen und Kirchwcihcu nur selten vor, dagegen bildensie in den Grenzorten an Markttagen beinahe eine Regel und zwar zwischen „Oester-rcichern" und „Ungarn ", wobei aber merkwürdiger Weise beide Parteien eigentlich durchDeutsche des bayerisch -östcrrischen Stammes vertreten sind, was einen überaus komischenEindruck.macht.
In der Wirthsstubc geht es au solchen Tagen recht lustig her, „Ländler" und
„Jodler" werden gesungen und geduldet, „aGstrampftes" getanzt, dann aber verirrt sich
auch eine Zigeuner-Musikbaude dahin und da beginnt dann auch ein „Csördüs" inPautalon und blauen „Janker" (Spenzer) und der anwesende Notar, Beamte oder auchPfarrer muntert seine „Kinder" auf, ja nur den „Ungarn " hervorzukehren, da und beiden Deputirtenwahlcn gibt es zum Schluß auch Prügel. Während der Tauzpausentrennten sich beide Geschlechter, die Männer und Burschen gehen an den Schank und zur
„Kcgelbudel", die Frauen und Mädchen aber thun das, was in aller Herren Länder:
plaudern und „ausrichten". Die Tracht des weiblichen Geschlechtes ist hier überalldunkel, einfarbig, oft vorn .Kopf bis zur Zehe schwarz, selbst der Baudaufsatz. Wennman an die bunte Kleidung und den Bündcraufsatz anderer Gegenden gewohnt ist, fülltdies auf.
„Ich könnte noch Manches erzählen, will aber nist einer köstlichen Anecdote schließen.Wie der Leser ersah, gibt es verschiedene Gattungen „Heanzen", so heißen die Fischeram Neusicdlersec „Hechtcnheanzen", wie aber bei Forchtenstein dir „Wällischen Heanzen"entstanden sind, das sei hier erzählt.
Als im Jahr? 1809 der Nicekönig von Italien Engen Beauharnais mit seinemArinmeecorps gegen Naab zog, hatte er auch bayerische Hülfstruppcn bei sich. Dein„italienischen" Heere aber ging der Ruf vorauf, daß dasselbe selbst das Kind im Mutter-leibe nicht schone. Weiber und Kinder, Vieh und Habscligkeiten wurden geflüchtet undverborgen, Mäner und alte Frauen aber blieben zurück, um die Einguartirung zu em-pfangen. Nach Forchtenstein und Umgebung kamen bayerische Chevauxlegers; zwei Bauern