Ausgabe 
(7.11.1883) 89
 
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M i s c e l l e n.

(Ein Universalgenie.) Unter allen begabten Menschen war wohl JohnErichton, geboren 1551 in der Grafschaft Perth in Schottland , gestorben im Jahre 1583,der merkwürdigste. Kaum zwanzig Jahre alt, schrieb und konvcrsirtc er in Zehn ver-schiedenen Sprachen und zeichnete sich dabei noch in allen körperlichen Uebungen aus.Als er damals nach Paris kam, meldete ein zeitgenössischer Schriftsteller:Hier ist einjunger Mensch angelangt, etwa Zwanzig Jahre alt, dem selbst die ersten Professoren derAkademie das Zeugniß geben, daß er in allen Wissenschaften vollkommen sei. Niemandübertrifft ihn in der Vokal- und Instrumental-Musik, und weder im Malen noch Zeichnen,im Tanzen noch Reiten hat man seines gleichen gesehen. Er weiß mit beiden .Händenzu fechten, daß ihm keiner etwas anhaben kann; in einer Entfernung von Zwanzig Fußstürzt er auf seinen Gegner los und schlägt ihn aus dem Felde. Seine Geistesgegen-wart ist unerschütterlich; er disputirtc neulich vor einem Auditorium von dreitausend Zu-hörern und setzte alle durch die Richtigkeit, Gelehrsamkeit und Schärfe seiner Antwortenin Erstaunen. Sein Dasein erfüllt jedermann mit panischem Schrecken, man fürchtet,daß er mit höllischen Mächten ein Bündnis abgeschlossen." Crichton verließ nach zehn-jährigem Aufenthalt Frankreichs Hauptstadt, um einer Berufung nach Mantna zu folgen,wo er der Lehrer des Sohnes des Herzogs von Gonzaga wurde. Während einerKarnevalbclustignng wurde er hier von einigen vermummten Personen mit gezücktem Degenangefallen; er schlug ihnen sämmtlich die Waffen aus der Hand und riß einem dieLarve ab, worauf er zu seinem unbegrenzten Erstaunen in demselben seinen Zögling er-kannte. Ehrerbietig hob er dessen Degen auf; jener aber, den Eifersucht zu dem Anfallebewogen, war nicht im stände, Crichtons Großmuth zu würdigen und stieß ihm tückischerWeise den Degen in die Brust. So starb der seltene Mann im zweiunddreißigstenJahre seines Lebens.

(O wie entzückend!) Ja, wir leben in einer Zeit, die herrliche Früchte zeitigt.Was sagen unsre Leser und Leserinnen zu folgender Stelle aus einem modernen Roman:Nur, wer sich bewußt geworden, daß die wirkliche Welt nicht die Erfüllung der tiefstenSehnsucht bringt, in dessen Seele wächst der herrlichste Erfüllung in ihrem Schoßetragenden Verheißung des Frühlings gegenüber diese Sehnsucht zur schmcrzenreichstenWehmuth. Erika war die Flnth des unausgesprochenen und vielleicht auch unaussprech-lichen Empfindens bis hoch zum Halse hinaufgestiegen, sie hatte die Augen geschlossenvor all der Wonne athmenden, überströmenden Schönheit da draußen, die ihr fast zurOual wurde." Es geht doch nichts über einen vollen und gedankenreichen Stil!

(Herzog August von Sachse n-Got ha) gestorben 1822 bekannt dnrchseine witzigen Bemerkungen und beißenden Sathren, hatte einen neuen Rath ernannt.Als derselbe sich in seiner neuen Charge bei Hofe vorstellte, dankte ihm der Herzog rechtfreundlich, fügte jedoch lächelnd hinzu: Zum Rath habe ich Sie freilich ernannt, dochauf Gott und nicht auf meinen Rath will ich in Zukunft bauen!

(Gründlich.) Dienstmagd:Gnä' Frau, ich bitt um ein Stück Brod, ich binnoch hungrig." Gerichtsräthin:Das müssen Sie mir erst beweisen."

Räthsel.

Laß, lieber Leser, Dir empfehlen:Mit W ein Mittel gegen Stehlen,Mit N ein Mittel znm Verkehren,Mit R ein Mittel zum Verzehren,Mit A ein Mittel für Gelähmte,Mit L ein Mittel für Vergrämte.

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag des

Literarischen Instituts von Dr. Max Huttler.