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rüber Buße und Ermahnung annehmen muß. Jetzt wird im Schlafzimmer gereinigt,die Chorkntte ausgezogen, und um halb sieben steht alles in Holzschuhen zur Arbeit ge-schürzt bereit.
Verwundert wird wohl mancher Leser dieser viereinhalbstündigen Morgeneintheilunggefolgt sein und sich gefragt haben: ja, wann kommt denn das Frühstück? Wortlos,nur mit Kopfschütteln würde dcxTrappist ihm diese Frage beantworten; denn ein solcheskennt er nicht.
Die Arbeit erfolgt entweder im Felde, wozu die ausgedehnte Landwirthschaft undder große Grundbesitz des Klosters hinreichend Gelegenheit geben, oder in den ver-schiedenen Werkstätten, da nach einer Hauptregel des Ordens alle Lebensbedürfnisse durcheigener Hände Arbeit beschafft werden sollen. So wird auch für alle Jahreszeiten gleiche,rein wollene Bekleidung dort selbst gewoben und die mit diesem Stoff von den Mönchenseit Wohl tausend Jahren gemachte praktische Erfahrung bestätigt vollkommen die Theorie,welche dem modernen Wollregime Proffessor Jägcr's zu Grunde liegt. Erkältungs-krankheiten kommen fast gar nicht vor. Vielerlei Handwerk ist im Kloster vertreten.Mancher erlernt ein solches erst in späteren Jahren durch reinen Anschauungsunterrichtbei möglichster Vermeidung aller Worte. Diese pädagogisch gewiß interessante Methodewird im Mutterkloster La Trappe besonders gepflegt.
Während der Arbeitszeit, die mindestens zwei Stunden je Vor- und Nachmittagszu dauern hat, muß bei steter innerlicher Sammlung hart und streng gearbeitet werden.Alles Nöthige giebt man sich durch Zeichen, eine Art Fingersprache, zu verstehen; zu-weilen klatscht der Aelteste in die Hände, was sofort die Arbeit auf eine bis zweiMinuten unterbricht, welche der stillen Unterhaltung mit Gott gewidmet sein sollen. Umnenn Uhr ruft die Glocke wieder zum Gottesdienst, dem um halb elf Uhr endlich dasMittagessen folgt.
Im Küchenzettel kommt der Vcgetarianer zu seinem Recht, denn Fleisch, Butterund Eier sind ausgeschlossen. Nur Wasser und Brod, Gemüse oder Früchte, Wurzelnund Kräuter mit Salz dürfen auf den Tisch kommen, wozu in der Zeit von Ostern bisAdvent etwas Milch tritt. So lange diese Mahlzeit mit sichtlichem Behagen eingenommenwird liest einer der Chorgeistlichcn oder Patres auf einer Art Kanzel sitzend aus denKirchenvätcrn vor, zuweilen wird sie auch ähnlich wie die Arbeit durch Klingeln unter-brochen, um über den Genuß nicht die geistige Sammlung zu vergessen. Alles, wasman im Speisesaal sieht, macht den Eindruck der Dürftigkeit, hölzerne Teller und Löffelnebst kleinen blechernen Näpfen. An den kahlen Wänden hängen neben wenigen kunst-losen Bildern geschriebene Sprüche, deren einige als Probe folgen mögen:
„Lauter und rein sich halten,giebt mehr Kunst denn stndiren.'
„Du mußt zuvor zu einen: Esel werdenwillst du göttliche Weisheit besitzen."
„Es muß ein Mensch große Vcrschmähnng erleidensoll ihm je geistig Wohl werden."
Wir könnten noch mehrere schöne Stellen aus dieser Schilderung mittheilen. ZumBeispiel sehr hübsch ist die Schilderung, wie mit Erlaubniß des Abtes die Militärmusikim Klosterhofe aufspielt und wie dem hochbetagtcn greisen Abte die Thränen über dieWangen laufen, als er ein Stück aus der Oper hört, die er als jugendlicher Musikusim Theater mitgespielt. Die Offiziere schieden voll Bewunderung für die Seelen-größc und das — Glück dieser Mönche, welche,in der Einsamkeit und Entbehrungim reichsten Maße gefunden, was die Weltkinder rHstlos erjagen, um schließlich nichtsals ein Todtenhemd zu finden.