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Miscelleit.
(Am Hofe König Friedrich Wilhelm I.) war Schmalhans bekanntlichKüchenmeister. Der Königliche Tisch — so theilt man uns niit — kostete monatlich1000 Thaler, eben so viel die Kellerei, die Bekleidung der Hofbcdientcn und der Mar-stall. Wenn der König Gelder auslieh, so überzeugte er sich genau, ob sie auch sicherstanden und ließ sich 4 Prozent Zinsen zahlen. Auch seine Umgebung hielt der Königaußerordentlich zur Wirthschastlichkeit an. Die Königin erhielt jährlich nur 80,000Thaler, wofür sie ihren Hofstaat bestreitcn, die Prinzcssincn unterhalten und selbst ihrenGemahl, sowie alle Kinder mit Kleidern und Wäsche versorgen mußte. Charakteristischfür die Sparsamkeit des Königs ist die folgende Anekdote: Am letzten Tage seines Lebensließ sich der Monarch an ein Fenster bringen, von wo aus er seinen Marstall über-sehen konnte, befahl alle seine Pferde herauszuführen und bat den anwesenden Fürstenvon Dessau und Herrn v. Hacke, daß Jeder sich ein Pferd auswähle. Nachdem Beidedas gethan, befahl er, daß die Bedienten den Pferden auch Reitzeug auflegten. Alsaber eines der Pferde auf einer gelben Schabracke mit einem blauen Sammetsattelversehen wurde, ärgerte diese Verschwendung den König derartig, daß er empört aus-rief: „Ach, wenn ich nur gesund wäre, ich wollte die Kerle derb abprügeln. Geh erdoch hinunter, Herr v. Hacke, und prügle er die Schurken!" Dagegen überwies derKönig vor seinem Ableben 100,000 Thaler an die Berliner Armen.
(Immer gerecht.) Als der berühmte Komponist Händel die Hauptprobe seinestrefflichen, aber in einzelnen Theilen äußerst schwierigen Tedenms. zur Feier des UtrechterFriedens veranstaltete, rief er vor deren Beginn in dem ihn charakterisirenden Eifer:„Ein Schuft, meine Herren, wer einen Fehler macht!" Das eigene Werk aber, das erbis jetzt noch nicht so vollständig besetzt und in so vorzüglicher Durchführung gehört be-geisterte ihn so, daß er am Schlüsse eines Satzes, sich selbst und die ganze Umgebungvergessend, versäumte, das Zeichen zum Beginn des folgenden Satzes zn geben. DerVorspielcr erlaubte sich endlich, ihn daran zn erinnern. Händel fuhr aus seiner Ver-zückung empor und rief strahlenden Blickes: „Meine Herren, der Schuft war ich!"
(Ein Stammbuchvers.) Während der WeMarschen Glanzperiode erschien einfader livländischcr Edelmann, Namens von Goren, daselbst, um sich von den literarischenHeroen Denksprüche auszukitten. Er besuchte nacheinander Wicland, Schiller und Goethe,und der Erstere schrieb ihm auf sein dringendes Verlangen um einen Beitrag endlich dieWorte ins Stammbuch: '
Die Erde ist ein Jammerthal Wieland.
Von Gauklern und von Thoren Schiller.
Worauf Goethe vollendete:
Worunter Sie der größte sind,
Mein lieber Herr von Goren. Goethe.
(Bettlerlogik.) „Ach bitte, schönster Herr, schenken Sie mir etwas" — flehtejüngst eine'alte Bettlerin in kläglichem Ton — ich hatte ein blindes Kind, — das warmeine einzige Stütze, --- und nun hat der arme Kleine sein Augenlicht wiederbekommen."
Räthsel.
Ein Wort — es zählt der Silben zwei —
Gehört zur hohen Polizei;
Weh' Denen, welche sich erfrechen,
Wegwerfend laut von ihn: zu sprechen.
Doch welche Aend'rnng tritt sofort ein,
Schiebt a und e man in das Wort ein!
. „Wegwerfend" es die Frau betrachtet,
Wenn sie Geflügel hat geschlachtet.
Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag des
Literarischen Instituts von Dr. Max Hnttlcr-