Morgen. Faust befindet sich noch in seinen-! Schlafgemache in Unterredung mit Jthnriel,der rasch sein Vertrauter geworden. Im Vorzimmer stehen und spielen Musikanten.Faust's Kammerdiener, Wagner, geht ungeduldig auf und ab und pcrwünscht Jthuricl,„den jungen Lasten", der ihn um seines Herrn Gunst gebracht — doch sei „das Lust-spiel" ohnedem zu Ende. — Während er noch raisouuirt, kommen Faust's Eltern,Theodor und Elisabeth. Die einfachen Leute haben von ihrem Sohne gehört, daß erein großer Herr geworden, und wollen ihn noch einmal sehen. Wagner weist sie ab,hier wohne ihr Sohn nicht. — Nun wird der Komik ihr Recht. Es treten ziemlichrasch nacheinander drei prächtige Charakterfiguren auf: Dounerschlag, Spürans undEmilie, die alle Drei die Hülfe des Zauberers in Anspruch nehmen wollen. Der Ersteist ein alter Offizier, ein wahrer Eisenfresser, den die Gicht quält. Er glaubt jedoch,sein Mädchen habe ihn aus Eifersucht verhext. Wagner, der sich dem barschen Soldatengegenüber nicht aufzublähen wagt, wie sonst, möchte auch hier seine „Wiukelhexemneisterei"treiben und windet sich nicht übel aus der Affaire, indem er unter Anderem dein Gicht-lcidenden räth, einen Monat lang kein Wort zu reden, sein Lebcnlang nie mehr zornigzu sein und so fort. Ergötzlicher wird die Scene, so bald auch Spürans auftritt. Derist Poet und nebenbei zum so und so Welten Male Bräutigam; doch hat er einen „Natur-fehler", den der Eifersucht. Er wünschte daher von Faust die Kunst zu lernen, sich un-sichtbar zu machen, um so seine Braut überall beobachten zu können. Wagner vertröstetihn auf die nächste Woche: „Wir haben jetzt einige Regimenter Soldaten über den Hals,die sich alle an der Grenze unsichtbar machen wollen. Sobald dies geschehen, wird manan Sie denken." Spürans will sich damit zufrieden geben; da begegnete er in derThüre seiner Braut Emilie — „einer alten Jungfer". Gegenseitige Verlegenheit!"
Endlich rückt auch diese mit ihrem Anliegen heraus: „Es hat mir eine Zigeunerinin meiner Jugend die Nativität gestellt, daß ich einst die Liebste eines gekrönten Hauptessein soll." Hierüber wünscht sie Aufklärung. Wagner weiß sich zu helfen: Spüransist xoeta. lanroatns, somit — wenn auch „in »snsn latmonno" — ein gekröntesHaupt, die Prophezcihnng ist erfüllt. Die Beiden ergeben sich in ihr Schicksal undWagner erhält seine „Sporteln".
» Faust erscheint mit Jthnriel und weist den „Vicezanbcrer" mit den Mnükanten
weg. Im folgenden Gespräche weiß der gute Engel Faust, dem an Allem ekelt, durchden Hinweis auf Gottes Barmherzigkeit mit neuer Hoffnung zu erfüllen. Schon ist erhalb bereit, Jthuricl zu folgen und durch ein bußfertiges Leben seine Sünden zu sühnen,da tritt seine Geliebte, Helene, mit seinem und ihrem Sohne Eduard hemmend da-zwischen. Durch ihre Thränen weiß sie ihn hinzuhalten, der gute Engel weicht für eineZeit und der böse macht sich an Faust. Ein echter Satan, erschüttert MephistophelcsFaust's schwache Hoffnung auf die Gnade des Himmels. Wäre Gott barmherzig, dannkönnte es nicht so viel Uebel auf Erden geben. Wie er also den Menschen währenddes Lebens zum Narren habe, thue er es auch nach dein Tode. „Folge mir, bei unstrittst du in die feierlichen Rechte erhabener Geister: du sollst frei denken!" Unter-dessen möge er noch in vollen Zügen aus dem Strome der Luft trinken und so hierund dort seinen Willen haben. — Das alte Zauberwort der Schlange von der Freiheitund dem Genusse thut wieder seine Wirkung. Der ohnedem schwankende Faust schließtsich auf's Neue dem Geiste der Finsterniß an: die erste Gnadenfrist ist verstrichen.
(Schluß folgt.)
Goldkörncr.
Größer als die der Natur und Kaust sind die Wunder der Gnade;
Fühlbar umgeben sie dich, öffnest du ihnen dein Herz.
Flüchtig entschwinden der äußeren Welt buntfarbige Bilder,
Aber die innere bleibt, hältst du im Geiste sie fest. F. Beck.