Ausgabe 
(21.11.1883) 93
 
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Der Opalririg.

Roman aus dem Englischen von E. C.

(Fortsetzung.)

Die Zeit während der Fahrt benutzte John dazu, einige Veränderungen an seineräußeren Erscheinung vorzunehmen, so daß der Lohnkutscher ihn beim Anssteigen verdutztanstarrte und kopfschüttelnd von bannen fuhr. Kaum hatte er die Schelle gezogen, sowurde auch schon die Thüre durch den Sohn des Arztes geöffnet. Dieser begrüßteJohn als alten Bekannten und führte ihn zum Studierzimmer. Mr. Fergus untersuchteden Hund sorgfältig und schüttelte ernst den Kopf.

Sie scheint etwas Schädliches gefressen zu haben, meinen Sie nicht auch?"frug John.

Die Hündin ist vergiftet worden."

John nickte.Was hat man ihr Ihrer Meinung nach eingegeben?"

Mr. Fergus untersuchte den Hund von Neuem.Mit Bestimmtheit läßt sich dasnicht feststellen, jedenfalls war es kein Arsenik."

Ich möchte das Thier hier lassen. Haben Sie Hoffnung, daß es wieder gutwirb?

Möglich ist das allerdings, aber äußerst fraglich."

Sollte Juno nicht besser werden", sagte John mit einem bedeutsamen Blicke,sowäre es interessant, sie zu öffnen. Verstehen Sie mich?"

Gewiß, recht gut", erwiderte Fergus, die Hand über dem von John empfangenenTrinkgelde schließend.Ist etwas besonderes los?"

Nichts Wichtiges. Sie wissen, wo ich zu finden bin; meine Zeit ist kurz be-messen. Empfehle mich Ihnen."

Immer in voller Thätigkeit, das ist der Welt Lauf. Sie werden von mir hören.Adieu."

John hatte die Straßenecke noch nicht erreicht, als ein Schuß fiel.Arme Juno!Es ist jammerschade, sie war ein so hübsches Thier", sprach er, während er rüstigweiter ging, vor sich hin.

Erst spät am Abende erreichte er Angler's Rast, aber noch viel später kehrte Mr.Faucourt von seinem Ausfluge zurück. Er schien stark getrunken zu haben und kaumauf seinem Zimmer angelangt, befahl er, ihm sofort Branntwein zu bringen. GegenMorgen half ihm sein Diener zu Bette und bald darauf versank er in tiefen Schlaf.

John wartete im Zimmer, bis das laute Schnarchen seines Herrn ihm deutlichverrieth, daß von diesem keine Störung zu befürchten sei. Dann löste er von der Uhr-kette Fauconrt's einen kleinen Schlüssel vorsichtig ab und nahm diesen nebst dem kleinenKasten aus Rosenholz, welcher auf dem Waschtische stand, mit sich auf sein Zimmer.Unterwegs murmelte er zwischen den Zähnen:Wenn es überhaupt zu finden ist, somuß es in dieser Schatulle sein." Er öffnete das Kästchen. Dieses war im Innern inverschiedene Behälter eingetheilt; in dem einen lag eine bedeutende Summe in Silberund Gold, andere enthielten Schmucksachen von größerem und geringerem Werthe, sowiePapiere. John dnrchlas letztere. Endlich fand er jedoch, was er suchte ein mitänem Zettel versehenes Packetchen. Der Name und Wohnort eines Apothekers, welcherdarauf gestanden, war mit Tinte durchstrichen worden.

Behutsam schlich er zur Küche. Dort stand eine Büchse mit Arrowroot; er schütteteeinen kleinen Theil desselben in ein Glas und nahin es mit hinauf. Den Inhalt desPacketchens leerte er dann in ein Papier, faltete und siegelte dieses sorgfältig zu. Nunbefeuchtete er sein Taschentuch und begann die frischere Tinte von dem Zettel abzureiben;thetlweise gelang es ihm. Er vermochte ein No . . . zu entziffern und entdeckte, daßder Name fünf oder sechs Buchstaben hatte; in der Mitte desselben glaubte er ein l, h