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Einverständnis; der Eisenbahnverwaltung und der Hotelbesitzer, welche die Gäste erwarten,damit sich dieselbe» bei ihnen von den Anstrengungen der weiten Reite erholen. Blauspeist zur Nacht und schläft unter dem Lärm eines dumpfen Geräusches, das einer fernenaber ununterbrochenen Kanonade gleicht, ein. Wer nicht zu den absoluten Langschläferngehört, erwacht schon mit Tagesanbruch und läßt sich den Weg weisen, der zu denWasserfallen führt. Der Leser kann trocknen Fußes dem Führer folgen, der ihn sicherwie kein Anderer zu jenem berühmten Weltwunder führt. Die Niagarafülle sind in ihrerWeise das, was der Himalaya unter den Gebirgsketten ist. Auch können weder dieKatarakte des Zambese, noch der Anfsprung von Wagogo im Centrum Afrika's mit denFällen des Niagara verglichen werden; die ein Wundergebilde pittoresker Schönheitjener großartigen Natur sind. Unbestreitbar haben andere Wasserfalle eine größere Höheund verlieren sich in tiefere Abgründe, aber in keinem Lande der Welt kann man einso weites Wasserbecken finden, das sich in ein so weit ausgedehntes Bett hinabstürzt. Essind das in der That vier innere Meere, die in Folge eines steilen Abhanges sich imVorübereilen in einen ebenso weiten Abgrund stürzen. Das Territorium, auf welchemdiese Wasserstuthcn Hansen, welche diese Seen ernähren, ist so groß, wie ein Contincnt,und man weiß, daß fast alle Ströme, welche den ersten See anfülle», ihr Bett über2000 Meter Entfernung von diesem inneren Meere haben. Dieser Riesen-Wasserfall,der sich wie ein weißes Tuch ausbreitet, füllt iin Halbkreis in ein tiefes Bassin, undwürde nichts gewinnen, wenn er auch von einer größeren Hohe herabstürzte. Dieselbebeträgt übrigens 1654 Fuß auf der amerikanischen und 1095 Fuß auf der canadischenSeite, was den Fall zu einem der allergrößten macht. Den einzigen Vorwarf, den mangegen den Niagara erhebt, ist der, daß seine Umgebungen in keinem Verhältniß zu dermajestätischen Größe des Falles selber stehen. Seinen ganz eigenthümlichen Charaktererhält der Fall dadurch, daß das Wasser im Sturze selbst nicht weiter gebrochen wird,so daß es unterhalb des Falles aus hinlänglicher Entfernung den wunderbaren Anblickzweier ungeheuerer senkrechter Wasserwände darbietet. Unmittelbar am Abstürze desFalles liegt eine schmale Insel, Goats-Jsland (Ziegcninsel), die in einer Länge vonbeinahe 1000 englischen Fuß den Strom und zugleich den Wasscrfall in zwei ungleicheTheile scheidet, deren größerer auf der linken Seite gegen Canada hin eine Breite vonmehr als 600 Meter in gerader Linie hat, während der Sturz des Wassers selbst ineinem gegen diese Linie sehr concaven Bogen erfolgt, wovon dieser Theil des Fallesder Hnfeisenfall (Ilorssssios) genannt wird. Der dem rechten Ufer ungehörige Theilhat eine Breite von 370 Meter. Die Fallhöhe betrügt bei diesem 44 Bieter, bei demanderen 52 Meter, eine Differenz, die sich daher erklärt, daß der Zug des Stromesoberhalb des Falles auf den schmaleren Theil gerichtet ist und so das Niveau desWassers auf dieser Seite erhöht wird. Der Sturz der beiden mächtigen Wasscrmassen(man schätzt sie auf 15 Millionen Knbiksnß in der Minute), aus solcher Höhe bietet einSchauspiel dar, dem durchaus kein anderes zu vergleichen ist, und das durch keineSchilderung würdig darzustellen ist. Der Donner des Sturzes wird bei günstigem Windeüber 9 deutsche Meilen weit in Toronto am Ontariosec gehört. Da, wo die Ufer näherzusammentreten, hat man eine Hängebrücke mit einer Spannung von 266 Bieter und77 Meter über den; Wasserspiegel erbaut; es ist dies eins der kühnsten Bauwerkealler Zeiten. Sie wird von vier Drahttauen getragen, die zwei je über zwei steinerneThürme gespannt und 8 bis 10 Meter in massives Mauerwcrk eingelassen sind. Jedesder vier großen Taue hat 10 Zoll Durchmesser und besteht aus 3640 Drähten. Nebendiesen ungeheuerlichen Dingen sieht man hin und wieder weiß gestrichene Pachthänsermit grünen Jalousien, und Kirchen mit Glockenthürmen, die nicht für den Baumeistersprechen. Geschmacklose Manufactoreien und Mühlen ohne allen künstlerischen Werth.Nur ganz vereinzelt steht man Bäume; und die wenigen, die an den Ufern des Kataraktsstehen, wurden von Menschenhänden aus Liebe zur Natur oder aus Speenlation, die