794
M i s e e H e n«
(Einige kleine Malicen aus der Musikhistorie.) Einst schickte derKomponist Adam zu Ander, sich von ihm die Partitur seiner ersten Oper „Losonrwiiitrriis" ausbittend, die zu ihrer Zeit ein fürchterliches Fiasko gemacht hatte. Anderüberreicht das Buch persönlich und entschuldigt sich wegen seiner verschiedenen Mangel.„Maöstro, gerade deßwegen wünsche ich ja Ihr Werk", erwiderte Adam. „MeineSchüler überkommt oft eine Stunde der Entmuthigung und Verzweiflung, wenn ich ihnendann Ihre Partitur vorlege, empfinden sie deutlich, „was selbst ein Ander für schlechtesZeug geschrieben," nnd getrost blicken sie wieder in ihre eigene Zukunft." — „KennenSie mich denn gar nicht mehr? Ich bin ja . . ." rief ein reifender Komponist einemschon gereiften in einer Versammlung zu. „Sie haben sich seit unserer letzten Begegnungdermaßen mit Ruhm bedeckt, daß ein Wiedererkennen schwer möglich", erwiderte derJnterpcllirte, der bei derselben Gelegenheit einem anderen Genossen, den er besser fand,als Fama von ihm berichtete, zum Abschied sagte: „Es war mir eine angenehme Ent-täuschung, Sie persönlich kennen gelernt zu haben." — Als Goldniark, der Kompo-nist der „Königin von Saba " durch eine Suite zuerst sich bekannt machte, reiste ernach allen Städten, wo sie aufgeführt wurde, um feinen jungen Ruhm in vollen Zügeneinznathmen. Der Cellist Popper kehrte einst nach ihm in demselben Hotel ein und fügtedein „Karl Goldmark aus Wien " ironisch die Worte bei „nebst Suite". — Borton,mtter Chcrubini's Direktorial Professor am Konservatorium und bekannt als etwas saum-selig, war gestorben. Als sich sein Leichenkondukt etwas verspätete, sagte der gries-grämige Cherubim zu seinem Nachbar: „Der Mann kommt doch immer zu spät."
* (Ein fataler Irrthum) passirte einmal bei dem Besitzer eines großen Wein-bergs, welcher zum Fest der Weinlese eine große Anzahl von Gästen geladen hatte. Erwar nämlich auf die Idee gekommen, acht Schilder mit Buchstaben anfertigen zu lassen,die von 4 Mädchen und 4 Knaben getragen wurden; nachdem die acht Kinder einenwohleinstndirtcn Tanz aufgeführt hatten, mußten sie eine malerische Gruppe um denwürdigen Weinbcrgbcsitzcr bilden, während ihre acht Schilder mit den Buchstaben:„W, E, I, N" und: „L, E, S, E" versehen, das Wort: „Weinlese" zusammenstellten.Alles war sorgfältig geprobt worden, nnd der große Augenblick, wo das feierliche Tableaustattfinden sollte, nahte. Freudestrahlend steht der Festgeber da, während die jugendlichenTänzer mit ihren großen Schildern sich um ihn schaaren. Aber — o weh — waserblickten die belustigten Gäste? — Statt: Wein-Lese — das Wort: „Wein-Esel!" —Einsetzt gewahrt er auch den Mittelpunkt der verunglückten Gruppe, nnd mit rascherGeistesgegenwart ertheilte er pianmLiino den Tänzern, welche nicht am rechten Platzgewesen waren, einen Rüffel; darauf erfolgt eine neue Gruppe, die kleinen Tänzer hieltenihre mit Wein gefüllten Becher hoch, und präseniirtcn abermals ihre Schilder dem nichtminder ergötzten Publikum, denn — v Unglück — was zeigen dieselben dies Mal? —„Esel-Wein!" —
(Die Macht der Gewohnheit.) Die junge gnädige Fran hat in liebens-würdiger Laune ihrer Jungfer, der das Schreiben nicht gut von der Hand geht, einenBrief an ihren Kvnsin aufgesetzt und liest ihr denselben vor. Fehlt noch irgend etwas,Minna?" — „Nur die Entschuldigung wegen schlechten Schreibens nnd orthographischerFehler."
(Gastfreundlich.) Wirth (vor der Hausthür stehend, erblickt einen anfahrendenWagen) : Wenn der nur nicht bei mir einkehrt — sonst b'stellt er mir am End' dasGanscl vor der Nasen weg, das ich mir gerade hab' braten lassen!