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zu sein. Man überschreitet jene schon erwähnte Brücke, die über den Fluß geschlagenist, von dem man nicht weiß, von wo er herkommt, und erklettert die Treppe des Thurmes„Prinz von Wales", welcher erst vor Kurzem constrnirt, und von dein znkünftigen Erbender Krone Englands , dem zu Ehren er erbaut, eingewciht wurde. Auf der Plattformdieses kühnen Holzgebäudes angekommen, begreift der fremde Besucher, daß der ameri-kanische Gentleman keine schlechte Speculatton damit ausführte, daß er sie nach demköniglichen Prinzen benannte. In der That ist die Aussicht, die man von diesem Punkteaus hat, einzig in ihrer Art, wenn auch betäubcud im vollsten Sinne des Wortes.Unten fließt der Strom des Niagara, der einem Meere im wildesten Aufruhr gleicht;links erhebt sich die Ziegeuinscl mit den drei Schwestern; iu der Mitte ein wenig weitersieht man die grünen Ufer der Roseninsel, „Groß-Jsland"; fern am Horizont die be-waldete .Hügelkette von „Nasq-Jsland". Die Stromschnellen breiten sich unterhalb desKatarakts, eine Strecke aufwärts gegen den Strom aus, und ihrc'Strömnng ist so über-mächtig, so voll schäumender Bewegung, daß man glaubt, eine ganze Heerde von Lachsenzu sehen, die sich dort ergötzen und in diesem weiten Strom herumbalgen. Die Wasserflimmern in metallischem Glänze und fallen in Tausenden von Funken zurück. VonZeit zu Zeit sieht man Alles von der Gewalt der Wellen fortgeschleudert, die auch ganzeBäume entwurzeln, sie aus den: Boden, der sie aufkeimen sah, Herausreißend; sie gleichenniedergeworfenen Niesen, die mit der Macht des Todes kämpfen, oder den Schlangen,deren Windungen nicht mächtig genug sind, der Gewalt des Stromes zu widerstehenund der sie dennoch mit sich fortreißt. Je näher die entwurzelten Bäume dem Kataraktekommen, desto schneller wird ihr Lauf; endlich hat der Baumstamm das letzte Hindernißder Stromschnellen besiegt und wird von der unwiderstehlichen Gewalt des Wasserfallsfortgerissen; er muß sich dieser gigantischen Masse ergeben und verschwindet in demWasserwirbcl, der ihn in Atome zermalmt hat, um nie mehr auf der Oberfläche zu er-scheinen, oder er wird im Abgrunde durch die Getvalt des Wassers zurückgehalten.
Ein absonderliches Experiment wurde vor ungefähr 30 Jahren mit den Strom-schnellen des Niagara gemacht. Man brachte den Stumpf eines alten ausgedientenSeeschiffes dahin und besetzte es mit zwei vom Notz befallenen Kühen einem schwind-süchtigen Pferde und 20 Enten. Es handelte sich darum, zu wissen, ob der Abgrundeinige Trümmerstncke des Schiffbruchs an's Licht bringen würde. Sobald man dieSchiffstauc, welche das Wrack festhielten, durchschnitten hatte, sah man dasselbe, durchdie Wasscrwirbel bald rechts, bald links fortgerissen, dann znr Ruhe kommend, seinenWeg fortsetzen. So gelangte es in das Niveau des Katarakts, fiel, fortgezogen von denWellen, und verschwand im Augenblick. Alle diejenigen, welche diesen Kampf der Ele-mente mit der Beute, die man ihnen dargeboten, verfolgten, suchten mit den Augen überden Wasserwirbeln des Falls die Planken des Schiffes oder die armen Opfer, die manan seinem Bord eingeschifft hatte. Nichts zeigte sich: Alles war in diesem unergründ-lichen Trichter verschwunden. Die Journale der Vereinigten Staaten beschäftigten sichlange mit diesem Ereigniß, das über 5000 Zuschauer aus allen Winkeln des Landesherbeigezogen hatte. Vor einigen Jahren ereignete es sich, daß man in der Nähe vonWirlpool den Leichnam von Franz Abott, einem Eremiten der Insel Linie, fand. Eswar ein Amalgam von znsainmcugeknetetem Fleisch; man hatte Mühe, ihn zu erkennen,als man ihn mit der Harpune erfaßte, um ihn an's Ufer zu ziehen. Den treuen Hunddieses armen Teufels, der seit dem Tode seines. Herrn winselnd einher lief, hatte manmitgenommen; als derselbe die unförmlichen Ueberreste sah, warf er sich über sie undbedeckte sie, denn er erkannte trotzdem in denselben seinen ehemaligen Herrn.