Ausgabe 
(24.12.1883) 103
 
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geliebte Gattin. F. W." (Leipz. Tagbl.)Steckbrieflich verfolgt wird Joh. Miller,der seinen Vater erschlug, um ihu zu berauben uud danu heirathcn zu können." (Frank.Kur.)Die Dame, welche vorigen Montag den Manschcttcnknopf suchte, ist gefundenworden und ist abzuholen. Grimmastcig 9." (Leipz. T.) Durch dieKobl. Ztg."wird für einenälteren jungen Mann Nachhilfe in der Religion gesucht".Eindreijähriger Esel, wegen seiner Frömmigkeit auch für den Umgang mit Kindern passend,ist zu verkaufen." (Amtsblatt für Rügen .)Zu verkaufen sind zwei gut melkendeZiegen, Kaprellgasse Nr. 9 und nur Nachmittags von 3 Uhr an zusprechen." (Leipz. T.)

* (Napoleon als Ehcstifter.) Napoleon I. Kaiser der Franzosen , hatte dieLiebhaberei, für sein Leben gern Heirathcn zu stiften, das heißt, er, der Nichts ohneGewalt zu thun pflegte, verband damit die Absicht, seinem durch die vielen Kriege, dieer führte, entvölkerten Lande auf diese Weise wieder aufzuhelfen. So ließ er armeMädchen ausstatten, damit sie einen Gatten fanden, und wenn einer seiner Soldatenheirathcn wollte, unterstützte er ihn durch die Verleihung irgend einer Stellung odereiner Beförderung. Leider aber nahm diese Liebhaberei zugleich den Charakter eines sehrunliebsamen Zwanges an, indem.der Kaiser oft auch Diejenigen nicht unbehelligt ließ, dieseine Vermittlung gar nicht wünschten. Auf diese Weise verhcirathete er seinen früherenAdjutanten, späteren Grafen und Generalpostdirektor, Lavalette mit Mademoiselle Beau-harnais, einer Nichte der Kaiserin Zoscphinc, indem er ihn zu einer Spazierfahrt auf-forderte, und bei dieser Gelegenheit ihn in das Kloster führte, wo das junge Mädchenerzogen wurde, um den beiden höchst Erstaunten die Neuigkeit mitzutheilen, daß sie sichals Verlobte zu betrachten hätten, die in 8 Tagen getraut werden würden. Auch GeneralVertier, ein Adjutant des Kaisers, ward auf ähnliche Manier vcrhcirathet, trotzdem ereine Andere liebte. Der Glücksstern Napoleons bewährte sich übrigens auch hierbei, dennin den meisten Fällen gestalteten sich diese erzwungenen Ehen glücklich.

(Mißgunst.) Mr. Watson, ein in ganz London bekannter reicher Geizhals, lagim Sterben. Als er das Herannahen des Todes fühlte, bat er einen Freund, der ihnpflegte, ein Schubfach zu öffnen uud ein altes Hemd heraus zu nehmen, damit er esanziehen könne. Auf die Frage, weshalb er jetzt noch die Wäsche wechseln wolle ant-wortete er: Man hat mir gesagt, daß das Hemd in welchem ich sterbe, der Leichen-wascherin zufällt und dafür ist jenes alte gut genug.

(Aus dem Kolleg.) Ein Prinz Casimir Kotschuboni besucht in Leipzig derNeugierde halber anatomische Vorlesungen. Der zerstreute Professor legt ihm eine FrageBetreff eines Nervs vor. Prinz sehr verlegen endlich bewußt:Herr Professor, ichbin der Erbprinz Casimir Kotschuboi."Ja, dann können Sie es freilich nichtwissen l"

Räthsel.

In der Hcimath erkennst Dn's, unscheinbar, klein;

J>N Vaterland wird es mächtiger sein.

In Flammenschrift sah es Dein Auge schon;

Dir steckt's in den Adern, Deutschlands Sohn,

Und hörst Du den Klang von der Wacht am Rhein,

Da zieht es mit Andacht ins Herz hinein.

In der Stadt da findest's in jedem Haus;

Auf dem Lande grüßt's Dich im Blumenstrauß.

Es kommt zu Dir in der FrühlingSpracht,

Du hörst es in klarer Stcrnennacht.

Und selbst Leim Kaiser , der Heldengestalt,

Siehst Du es herrschen in Allgewalt.

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLitcrarischen Instituts von vr. Max Huttler -