Ausgabe 
(24.12.1883) 103
 
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nach seinem Ziele. Der amerikanische Schuljunge ist wie ein Hund an der Koppel. Erhat keinen Begriff davon, daß Lebe », Gesundheit und Verstand ihm für noch etwasAnderes gegeben sein könnten, als um Geld und Ansehen zu erwerben. Er ist derälteste Jüngling, der die Welt kennt und wird nicht selten ein alter Mann, mit bart-losem Gesicht, ehe er noch aus der Jugendzeit heraus ist. Kaum aus der Schule ent-lassen, beginnt für ihn bereits der wüthende Kampf um das Dasein. Mit den natio-nalen Stichwörtern:Drauf los!" undScharf ausgesehen!" in seinem Munde strengter jede Faser seines Leibes und Geistes an, um sein Leben zu machen, bis ihm diebeleidigte Natur endlich ein Halt! zuruft. Er gleicht einem Wanderer, welcher, um einbestimmtes Ziel zu erreichen, den kürzesten Weg wählt, wenn er auch durch gefährlicheAbgründe und über steile Berge führt, während ein bequemer Umweg langsam, abersicher ihn zu demselben Ziele geführt haben würde. Der Eine erreicht das Ziel, wennauch nicht ohne Schaden für sich selbst, der Andere geht auf dem Wege zu Grunde.Aber das Leben Beider ist arm an Freude und Schönheit.

M i s e e l l e n.

* (Ein Nosenblatt als Dolmetscher.) Ein hübsche Geschichte, bei der einNosenblatt den Ansschlag gab, erzählt man sich von einem berühmten, deutschen Gelehrten.Derselbe wünschte Mitglied einer gelehrten Gesellschaft zu werden, deren Statuten vorAllem als Haupt-Paragraph den Mitgliedern Folgendes geboten:Viel denken, wenigschreiben, möglichst wenig reden!" Unglücklicherweise aber war die vorgeschriebene Zahlvon Mitgliedern bereits erreicht, folglich znr Zeit keine Aussicht auf Beitritt vorhanden.Wie aber dem geachteten Gelehrten dies auf zarte Weise kundgeben? Um den Unan-nehmlichkeiten einer Auseinandersetzung zu entgehen, außerdem aber auch getreu demHauptparagraphen des Vereins: möglichst wenig zu sprechen, ließ der Vorstand währendeiner Versammlung, welcher der Gelehrte als Gast beiwohnte, vor Letzteren ein Gefäßmit Wasser stellen, so voll, daß ein einziger Tropfen mehr schon genügen konnte, umes überfließen zu machen. Der gelehrte Doctor begriff diesen stummen Wink durch dieBlume, und ergab sich bereits in sein Schicksal, auf die Erfüllung seines Lieblings-wunsches Verzicht leisten zu müssen, als er plötzlich auf dem Boden zu seinen Füßen einabgesallencs Nosenblatt gewahrte. Diesen Zufall benutzend, um die Blumcnsprache desPräsidenten in ähnlicher Weise fortzusetzen, nahm er das federleichte Blättchen, und thates mit großer Vorsicht auf das vor ihm stehende Wasser. Er wollte damit ausdrücken,daß trotz der Vollzähligkeit des Vereins vielleicht doch noch für ihn ein Plätzchen sichfinden lassen werde, ohne Schaden für denselben, ähnlich wie das Nosenblatt doch auchnoch auf dem vollgefüllten Wassergefäß Raum gefunden, ohne daß dies Letztere überfloß.Die Folge dieser Zeichensprache war, daß sämmtliche Mitglieder aus Bewunderung überdiesen guten Einfall, einstimmig in den gelehrten Verein ihn nun doch noch aufnahmen,und das Alles wegen eines kleinen Roscnblättchcns, das zufällig am Boden lag!

Wie man oft Inserate stylisirt, zeigt anf's Neue folgende Sammlung in derGermania":Ein Mädchen von 5 Wochen wünscht eine Mutter an Kindesstatt abzu-geben." (Jntelligcnzblatt.)Drei doppelte Buchhalter für erste Häuser sucht der Vor-stand des Handlungscommis-Vcreins." (Nat.-Ztg.)Ich suche solide tüchtige Hand-schuhmacher und zahle pro Dutzend 12 Mark. F. Friede!, Handschuh-Fabrikant."(Schles. Zig.)Der Unterzeichnete bringt zur Anzeige, daß unter Heutigem Vor-mittags 10 Uhr der Hund des Lohnkntschcrs Andres, welcher Rattenfänger nicht nureinmal, sondern mehrere Tage ohne Marke und Manlkorb herumläuft, ohne sich darumzu kümmern und höhnisch dazu lacht, wenn derselbe gewarnt wird. Joseph Hörner,Polizeisoldat." (Bayer. Vztg.)Am 7. März, zu meinem Geburtstage, 7^ Uhrentriß nur der Tod zum zweiten Male meine innige, theure und gewiß von Jedermann