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v. Putlitz vom 49sten ausgehaucht; schon hatten sie dem Ncpomukbildc gegenüber, dasneben dem Wirtbshause steht, hart an der Straße „unter den Apfelbäumcn von Sadowa"ihr Grab gefunden. Treue Hände richteten eben die schlichten Kreuze aus. Der katho-lische Todtengräbcr kniete, während die letzten Worte gesprochen wurden, am Grabe undbetete mit.
Im Wirthshause mußten auch sterbende Oesterreichcr gelegen haben. Eine Soldaten-Gruppc, Pommern vom Kolbcrger Regimen:, fanden eben ein kleines Amulct zwischenden Ritzen der Dielen und mühten sich, die Inschrift zu entziffern. Es glückte erst, alsein Offizier herantrat. Die Inschrift war in französischer Sprache: „O Maria, ohn'Sünd' empfangen, bitt' für uns." Es mochte von: ungarischen Oberst Scrinny (?),Commandeur des Regiments Württemberg, hier verloren sein, der die Nachtstunden, eheman ihn nach Horsitz schaffte, in diesen Räumen zugebracht hatte. Oberst Scrinny, alsder Iohannitcrrittcr v. Werder ihm ein Stück Kommißbrod und ein Rcsichcn Madeira gab, hatte es mit den Danlcsworten hingenommen: „Und ich, ich darf nicht einmalwünschen, Ihnen einen gleichen Liebesdienst leisten zu können."
In Ober-Dohalitz, das nur aus zehn bis zwölf Häuscr-Etablissemcnts besteht, sahes grausig aus. Aus diesen Häusern, als sie in Brand gerathen waren, hatten sich alleVerwundeten, die sich noch bewegen konnten, meist Oesterreichcr, in die Höfe und Gärtengeschleppt; die anderen waren verbrannt. Jene halten seit 2-t Stunden kein anderesLabsal gehabt, als den Nachtthau. Als endlich Hilfe kam, hörte man nichts als denRuf vocia, vorig, und wenn ihnen Wasser aus einen: nahe gelegenen Teich gereichtwurde, klang es Urüelli, Döioki von ihren zitternden Lippen.
Aehnlich wie im Holawalde, an dessen Südspitze Ober-Dohalitz liegt, sah es imSwicpwaldc aus, und in den Dörfern, die ihn umgeben, in Cistowcs, in Benatek, inMaslowed und weiter zurück in Ccrekwitz.
In Cistowcs lagen viele Sicbenundzwanziger und Garde-Füsiliere. Dazu welcheBilder auf der Dorfgafsc! Ein Jäger, an die Wand gelehnt, aus sein Gewehr gestützt,war stehend gestorben. In einem Brunnen mit zertrümmerter Einfassung lag ein todterUhlane, mit dem Pferde hineingestürzt. Eine der Scheunen war mit österreichischenVerwundeten überfüllt. Einer, ein Banatcr voni Ncgimcnie Eoronini, war durch dieBrust geschaffen. Unter jammervollem Keuchen bemühte er sich krampfhaft, den Mantelvon der blutbedeckten bloßen Brust wegzuziehen; es wollte nicht glücken; Keiner verstandihn; endlich bemerkte man, daß noch 30 Patronen in der Tasche seines Mantels steckten,deren Gewicht ihm fast den Athem geraubt harte. . . .
Im Schlöffe von Horenowcs war ein Lazarcth. Hier lag Oberst v. Zychlinski, fürden sein Musterbursche einen mächtigen Topf Rahm in einem Versteck entdeckt hatte. —Als der Rahm den Obersten erquickt hatte, rrat Pastor Besser aus Waldenburg denRahmtopf wie eine Erbschaft an. Freund und Feind wurden mit diesem Leckerbissengespeist, und ein österreichischer Hauptmann vom Regiment Mecklenburg , — der beim„preußischen Erbsenwerfen," wie er sich ausdrückte, zwei Kugeln in den Arm erhaltenhatte, erklärte ein Mal über das andere, daß ihm in der „ganzen verflixten Campagne"nichts so geschmeckt habe, wie dieser Topf Nahm. — Aber solcher heiteren Bilderwaren nicht viele.
Ein Offizier schreibt: „Wir kamen in ein Gehölz, das zwischen den drei DörfernCistowcs, Benatek und MaSlowed liegt (der Swicpwald). Hier hatte der Kampf amMeisten'gewüthet; eine Menge todter Oesterreichcr lagen unter und über einander, etwasentfernter sahen wir Gcsindet, das beschäftigt schien, die Leichen zu Plündern. Um siewie Raubvögel zu verscheuchen, schoflen wir unsere Revolver ab. Und wirklich, sie ver-schwanden oder schienen zu verschwinden. In demselben Augenblick, wer beschreibt unserErstaunen! erhoben sich wohl zwanzig von den Todtgcglaubtcn, streckten uns flehend ihreArme entgegen und baten mit schwacher Stimme um Wasser. Das wenige, waS wir