Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
31
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Antiquarischer Briefe zehnter. 31

würden sie ein allzuhohes Relief gebraucht haben."Was hat der Augenpunkt mit dem Relief zu thun? Bestimmtder Augenpunkt, wie hoch oder wie flach das Relief sehn soll?Hätten sie das Relief flach gehalten;" Nun, wasdenn? was wäre alsdenn geworden?so würde dieMünze ohne Geschmack, gothisch oder nach der Artunserer neuen Münzen ausgefallen seyn." O Logik,und alle Musen! Ein Mann, der so schließen kann, unterstehtsich von der Kunst zu schreiben? Also ist eine Münze vonflachem Relief nothwendig ohne Geschmack und Gothisch? Alsoist es nicht möglich, daß wir in einem flachen Relief eben soviel erkennen können, als in einem hohen? Also kann in einemflachen Relief nicht eben so viel, ja wohl noch mehr Kunstseyn, als in einem hohen? O Logik, und alle Musen! DerMann hat lauten hören, aber nicht zusammen schlagen. Weilman das hohe Relief auf Münzen vorzieht, aus Ursache, daßes Münzen sind, daß es Werke sind, die sich sehr abnutzcu;weil man aus dieser Ursache das flache Relief an cursircndcnMünzen mißbilliget: daraus schließt er, daß das flache Reliefüberhaupt ohne Geschmack und Gothisch ist? O Logik, undalle Musen!

Zehnter Brief.

Ich sagte in meinem Vorigen, daß cm Gemählde die vcr-hältnißmäßige Verkleinerung der Figuren und die Verminderungder Tinten gut genug haben, und dennoch nicht perspektivischsehn könne; Falls ihm die Einheit des Gesichtspunkts fehle.

Gut genug; Sie wissen was man gut genug heißt. LassenSie mich mit diesem gut genug ja nicht mehr sagen, als ichsagen will. Gut genug, wenn man das recht Gute dagegenstellt, ist nicht viel mehr als ziemlich schlecht.

Denn wie in der Natur alle Phänomcna des Gesichts, dieErscheinung der Grösse, die Erscheinung der Formen, die Er-scheinung des Lichts und der Farben, und die daraus entsprin-gende Erscheinung der Entfernung, unzertrennlich verbundensind: so auch in der Mahlerey. Man kann in keiner den gc-