Wie Berncggerus Such mit Treuen hat gemeint,
Wie AnaxagoraS , Pcrikles, dir gescheint;
So steht Ihr auch bey mir. Was bin ich am Verstände,
Das nicht von Eurem kömmt? Ich trüge Spott und Schande,
Für Federung davon, wenn Euer Geist gethan,
Dem ich in Ewigkeit nicht Dank erweisen kann.
Der Höchste gönne nur Euch spate Lebenstage,
Bis daß ich, als ein Baum, die goldncn Früchte trage,
So Ihr in mich gepflanzt. Die streichet nachmals ein;
Dann alles unser Thun soll Euer ewig seyn.
Nun, das Perenncnfcst ist gar gcnung besungen.
Ich wünschte mir dazu auf heule tausend Zungen:
Doch, wann ein solcher Sinn, wie meiner ist, gebricht,
So reichen dieß zu thun auch tausend Zungen nicht.
Predigt über zwei Tezle.
1769.«)
.....In Lesfmgs Briefwechsel mit Hrn. Hofr. Ebcrt las ich neu-lich, daß Lesfing in einem Briefe vom 28 Dez, 1769 schreibt: „Al-„bcrti befindet sich wohl; und was mich an ihm eben so sehr frenl,„als seine Gesundheit, ist, daß seine Versöhnung mit Goezcn ei» fal-sches Gerücht gewesen. ZZsr-ik wird daher wohl predigen, und„seinen Sermon mit nächsten einsenden." — Dies wird schwerlich je-mand verstchn. Wie kömmt Äjorik z» Alberti und Eöze»? — Hr.Hofr. Ebcrt hat diese litterarische Anekdote bei der Herausgabe seinerBriefe nicht erläutert; und dies veranlasset mich, es hier zu thun, zu-mal da ich dabei ein kleines Bruchstük von Lessings Ideen mittheilenkann, das mir seit zwanzig Jahren im Gedächtniß geblieben ist, undvielleicht sonst ganz verloren ginge........
Während Lessing in Hamburg lebte, entstand daselbst ein großerTheologischer Zwist. — Seit langer Zeit war in den HamburgischcnKirchen an den Bußtagen ein Äircheiigcbct abgelesen worden, worin un-
") Aus einem Aufsatze von Fr. Nicolai in der Berlinische» Monats-schrift, Band xvil (1791), S. 30-45.