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Antiquarischer Briefe ein und fuufjigsier.
Publicum zu nennen? Doch wohl, wohl; wen» die das Pu-blikum sind: so intcrcssircn wir das Publicum gewiß!
Aber Herr Klotz sagt zugleich, „er sehe nicht ein, daß dieKünste und Wissenschaften einigen Nutzen aus unserm' Zwistehaben würden." Das wäre nun desto schlimmer für ihn, dereinen solchen Zwist erregt hat! Doch, sollte nicht die Critikeinigen Nutzen davon haben können? Vielleicht zwar, daß dieEritik bey Herr Klotzen weder eine Kunst noch eine Wissenschaft ist.
Herr Klotz spricht von Anmerkungen und Zweifeln, die ermit aller Bescheidenheit vorgetragen. Wenn die Bescheidenheitdarum besteht, daß man einem keine Zudringlichkeit erweiset,ohne einen Bückling dazu zu machen: so mag seine Beschei-denheit ihre gute Richtigkeit haben.
Aber mich bcdünkt, die wahre Bescheidenheit eines Gelehrtenbestehe in etwas ganz andcrm: sie bestehe nehmlich darinn, daßer genau die Schranken seiner Kenntnisse und seines Geisteskennet, innerhalb welchen er sich zu halten hat; daß er für jedenSchriftsteller so viel Achtung hegt, ihm nicht eher zu widerspre-chen, als bis er ihn verstanden; daß er nicht verlangt, dermißverstandene Schriftsteller solle es bey seinem Widersprüche be-wenden lassen; daß er ihn keiner Empfindlichkeit beschuldiget,wenn er es nicht dabey bewenden läßt; daß er in den Strei-tigkeiten, die er sich selbst zuzieht, rund zu Werke geht, nichttcrgivcrsirct, nicht in einem sauersüßen Tone, mit einer schnödenMine, statt aller Antwort verwendet, „das Publicum intercssire„dergleichen nicht, er sehe nicht ein, was für Nutzen Künste„und Wissenschaften davon haben könnten! u. s. w.
Mit solchen Wendungen macht sich nur die beleidigte Eitel-keit aus dem Staube; und ein eitler Mann ist zwar höflich,aber nie bescheiden.
Schlimm genug, daß Höflichkeit so leicht für Bescheidenheitgehalten wird! Aber noch schlimmer, wenn die kleinste Frcymü-thigkeit Unwille und Zorn hcisscn soll!
„Mein Bewußtseyn, sagt Herr Klotz, daß ich niemanden„in der Welt beleidigen wollte —
Beleidigen! vorsctzlich beleidigen! Wer in der Welt wirdHerr Klotze» das zutrauen? Einem vorsctzlich eine unangenehme