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8 (1839)
Entstehung
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288
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Andreas Sciiltctus.

Weit überlegen seyn. Das Haupt ist balsamirt

Mit Tropfen früher Luft; die gelben Locken fliegen,

Vor welcher Schwenken sich die leichten Winde biegen;

Die Augen flammen Gunst; die Wangen fcurcn ganz

Und sämen, wie Rubin und Chryfoliten, Glanj;

Die Brust, der andre Leib sind Alabasterfarbcn;

Die Striemen leuchten durch; wie viel gepreßte Narben,

So viel Gestirne stehn: er brennet ganz und gar,

Durchsichtig, himmelrcin, ermuntert, sonnenklar.

Die Blöße ziert ihn aus. Der Glanz besteht zum Kleide:

Doch trägt er gleich sowohl ein köstliches Geschmeide,

Der Unschuld weissen Rock. Sein Leib zwar rühmt sich nicht

Der Uebermenschlichkeit; des Leibes Ostcrlicht

Ist göttlich genaturt. Ich bebe, um zu sagen,

Was einer um ihn her für ungeheure Plagen

Gefangen wandern sieht, die Misgunst, Sterblichkeit,

Gesetze, falschen Wahn, Verdamniß, Krieg und Streit,

Verzweifeln, Furcht und Noth, Geschwisterkind zusammen;

Summanus, welcher ihm von Nebel, Dampf und Flammen

Ein Kürißkleid gemacht; die andren Götter auch,

Wie damals an der Zahl der Götter Staub und Rauch

Die Menschen übertraf; der kühne Damenjägcr,

Dem Erd und Himmel zwar, doch über Freund und Schwager

Sonst niemand dienen kann, ich meyne Jupitern;

Sein Bruder auf der See, so auch bey Frauen Stern

Und Lagerstätte sucht; der Säugling zahmer Affen,

Der Bluthund Camulus; der Straußhan, dem sie schaffen,

Der Schwellkopf Eleleus, das Lampsacencr Schwein

(Egypten ehret nicht den Krocooil allein,

Auch die sind solcher Art) und wie sie alle heisscn,

sämen 1 Ist ohnstreitig das natürlichere Zeitwort von Saamen; und mei-nem Bedanken nach, auch wohlklingender als säen, welches einen so un-angenehmen m-uus in sich hat.

der Glanz besteht zum Kleides Bestehen, wenn es von flüssige» Dingen,dergleichen auch der Glanz zu ftv» scheinet, gesagt wird, heißt so viel als gc-- rinnen, gefrieren, oder sonst eine Art von Festigkeit gewinnen. Was könntealso schöner gesagt seyn, als, der Glanz besteht zum Kleide? der Glanzselbst, ward das Kleid.