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8 (1839)
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BcrcngarinS TnroncnsiS.

vermeinter Irrgläubiger gezwungen unterschreiben muß; einzelne,unzusammenhangende Stellen, die seine Gegner ihren Widerle-gungen aus seinen Schriften einverleiben, beweisen wohl, wasdiese Gegner sich eingebildet, daß dieser Zrrgcist geglaubt, be-weisen wohl, was sie verlangt, daß er an dessen Statt glau-ben sollen: aber das, was er eigentlich geglaubt hat, kann vonbeiden, von dem einen so wohl als von dem andern, gleichweit entfernt seyn.

Sucher hatte hier kein Arges; er nahm das, was für diewahre Meynung des Bercng«rius von den Widersachern dessel-ben ausgegeben ward, dafür an; und da er immer noch derTranssubstantiation geneigter blieb, als dem blossen Tropus, daer sich überführt hatte, daß diese Auslegung mehr mit demWesentlichen des Glaubens streite, als jene: so bezeigte er sei-nen ganzen Unwillen gegen den Dercngarius, und erkanntenicht allein die von dem Pabst gegen ihn gebrauchte Gewaltfür Recht, sondern billigte auch die Ausdrücke des ihm aufge-drungenen Wicdcrrufs sogar mehr, als sie selbst von manchenKatholiken waren gcbilligct worden. (°) Berengar ward inseinen Augen das Schlimmste, was er seyn konnte, ein Vorläu-fer der ihm so verhaßten Sacramcntircr, dessen Irrthum Larl-siadr und Zwinglias bloß erneuerten: und was Dcrenga-riu» in Luthers Augen war, das blieb er in den Augen sei-ner orthodoxen Nachfolger, der Mcstphale und Selncckcr,die ihn mit aller Strenge behandelten. Mir ist unter den äl-tern Theologen unserer Kirche nur ein einziger bekannt, wel-cher gelinder und vortheilhaftcr von dem Zberengarius urtheilet;

(°)Darum thun die Schwärmer unrecht, sowohl als die Elossa imgeistlichen Siecht, daß sie den Pabst Nicolans strafen, daß er den Bcrcn-ger hat gedrungen zu solcher Bekännlniß, daß er spricht: Er zudrücke undzuriebe mit seinen Zähne» den wahrhaftigen Leib CHristi, Wollte GOtt, allePäbstc hätten so christlich in allen Stucken gehandelt, als dieser Pabst mitdem Berenger in solcher Bckänntniß gehandelt hat." Kurhers Be-kenntniß vom Abendmahl THristi, im Jahr 1628.

t°°)Carlstadt erneuerte den greulichen Irrthum ZZercngarii vomSacrament des Abendmahls, daß daselbst nur Brodt und Wein u, s. w.Alirifaber, im Bericht, was sich mit Luther und seiner Lehrein den Jahren 1624. und 26. zugetragen.