Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
363
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BcrengariuS TnroncusiS.

liesse, als vielmehr auf die mit diesen Zeugnissen übereinstim-mende Berechnung, welche sich aus dem Briefe des Adclmannsanstellen läßt. Und diese ist es, welche hier in nähere Erwä-gung gezogen zu werden verdienet.

Sie erinnern sich, daß man aus den Worten des Adclmanns,?«zuton!eas aures, intor czuas wm lliu pcr«ZAr!nor, schlicsscn ZUdürfen glaubet, daß er noch der Schule zu Lüttich vorgestanden,als er seinen Brief an den Berengarius geschrieben. Sie er-innern sich, daß man als unstreitig annimmt, Bischof zuBrescia sey er in dem Zahre 48 geworden. Hieraus würde nunfreylich folgen, daß auch der Brief längcstcns in diesem Zahre,wo nicht noch vorher, geschrieben worden; und da es in dem-selben so gar heißt, daß bereits zwey Zahre vorher der Rufvon der irrigen Lehre des Berengarius dem Avelmann zuOhren gekommen; so würde eben so unstreitig weiter folgen, daßBerengarius schon gegen 46 damit Aufsehen gemacht habe.Wäre nun aber dieses, wie würde es um seine Versicherungstehen, daß vor 60 keinem Menschen seine wahre Meynung be-kannt gewesen? Müßte er nicht entweder hiermit die Unwahr-heit geschrieben haben, oder leichtsinnig genug gewesen seyn, eineLehre zu behaupten, und auszubreiten, die er selbst noch nichthinlänglich untersucht halte?

Zch denke nicht, daß eines von beiden nothwendig folgt.Er kann gar wohl vor 50 eine Meynung gcäusscrt haben, welcheden blinden Anhängern des Paschasius ärgerlich war. Aber eswar bis dahin nicht sowohl seine eigene Meynung, als dieMeynung des Scotus . Denn so viel Ucbcrgcwicht als damalsauch schon die Lehre des Paschasius mochte gewonnen haben:so war sie doch noch durch keinen Schluß der Kirche für dieeinzig wahre erkannt worden. Die Lehre des Scotus war nochunverworfen; und es mußte einem jeden Gliede der Kirche nochfrey stehen, sich für die eine oder für die andere zu erklären.Auch thut Berengarius in dem Briefe an den L.anfrancnsselbst weiter nichts, als daß er, zu Folge dieser Freyheit, denAanfrancus vor Uebercilung und eigenmächtiger Verdammungeines Mannes warnet, in welche die unsträflichsten Väter derKirche mit verwickelt werden könnten.