BcmigariuS Turolicnsis,
V.
Allerdings mußte die Beschaffenheit der Lehre des Zderengarius selbst darzu kommen, daß er den Anfallen seiner Feindeso lange widerstehen konnte. Sie mußte, diese Lehre, so irr-gläubig und der Kirche so fremd nicht seyn; er und-Hildebrand,und etwa noch Eusebms Bruno, mußten die einzigen nichtseyn, die sich von ihr überzeugt hielten.
In wie weit dieses, zum Theil, selbst Gelehrte der Römi-schen Kirche neuerlich zugestanden, habe ich in dem ersten Briefebereits berührt. (°) Wenn Sie aber wollen, mein Freund, daßauch ich, nach Maaßgcbung unsers Manuskripts, mich etwasweiter darüber auslassen soll: so müssen Sie mir erlauben, nurunter allgemeinen Benennungen davon zu sprechen, und dieNamen von Lutheranern und Rcformirten ganz aus dem Spielezu lassen. Zch wünschte, daß ich dieses schon dort gethan hatte.Denn ich möchte den Argwohn nicht gern auf mich laden, daßich die Lippen einer Wunde, die man so gern sich schlicsscnsahe, aufs neue klaffen zu machen gesucht, nachdem so vielwürdige Männer beider Kirchen alles gethan haben, die Har-schung durch Heftpflaster zu erzwingen; das ist, sich wenigstensin Worten einander zu nähern, welches dem und jenem sotrefflich gelingt, daß man das ganze Heftpflaster nur für einSchminkpflästerchcn halten sollte.
Zch sage also so; wenn es eine Kirche, oder Gemeindeneiner Kirche giebt, welche die sichtbaren Stücke des Abendmahlsfür blosse Zeichen erkennen, welche keinen andern Genuß darin»zugeben, als einen geistlichen, welchen dieser geistliche Genußweiter nichts, als eine Zurechnung im Glauben ist: so könnendiese Kirche, diese Gemeinden, keinen Anspruch auf die Bcy-stimmung des Derenganns machen. Denn Derengarws lehrteund bekannte eine wahre, wesentliche Gegenwart des Leibes undBlutes: und es würde sehr unbillig und grausam seyn, wennman bey ihm einzelne Theile der Ausführung, zufällige Erläu-terungen, nicht nach dem ausdrücklichen Bekenntnisse, sondern
(°) Scilc 323.