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Die Gold- und Silberproduktion und ihr Einfluß auf den Geldwert / Gustav Kluepfel
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Norden bedeutende Vorkommen von silberhaltigen Bleierzen ent-deckt worden, welche mit den ersteren gemischt sich vorzüglich fürdie neueren billigeren Verhüttungsmethoden ohne Quecksilber eignen.Da zugleich das Eisenbahnnetz eine große Ausdehnung gewonnenhat und seit der Befestigung der politischen Verhältnisse europäischesund nordamerikanisches Kapital sich gerne in Mexiko festsetzt, sosind die Aussichten der Silberproduktion in diesem Lande überausgünstig, und falls der Silberpreis so niedrig bleibt wie jetzt, istes wahrscheinlich, daß Mexiko , welches seine erste Stelle uuterden Silberländern erst seit 1870 an die Vereinigten Staaten vonNordamerika abgetreten hat, bald wieder an die erste Stelle vorrückt.

In Südamerika begann die Edelmetallproduktion nurwenige Jahre nach der mexikanischen in den heutigen Staaten Peru ,Bolivia uud Chile, auch hier stand von Anfang an die Silber-ausbeute im Vordergrund. Schon 1545 wurde der reichsteGangzug, welcher überhaupt bis heute bekannt geworden ist, dervon Potosi , in einer Höhe von 4000 m auf der Ostseite derAnden im heutigen Bolivia entdeckt. Dieser Gang soll bisheute einen Wert von rund 6 Milliarden Mark Silber geliefert haben.Die Produktion von ganz Bolivien in 400 Jahren betrug etwa38 Millionen Kilogramm Silber; der ungeheure Ertrag rührt alsoweniger von großer plötzlicher Ausbeute als von der langen Dauerderselben her. Potosi hat in seiner besten Zeit, in den Jahren15851595, wo sein Ruhm die Welt erfüllte, nur etwa 160 Tonnen,also nur ungefähr ebensoviel Silber jährlich geliefert, als heuteder Ertrag des deutschen Silberbergbaus ist. Am Ende desvorigen Jahrhunderts war die Produktion freilich auf die Hälftedieses Betrags heruntergekommen und von 18101876 ist derdortige Bergbau wegen der unaufhörlichen politischen Unruhen fastganz stillgestanden. Jetzt ist derselbe von neuem mit modernenMitteln in Angriff genommen und für das Jahr 1894 wird dieSilberproduktion von Bolivia bereits wieder zu 684 Tonnen an-gegeben. Allem Anschein nach ist hier auch fernerhin ein bedeutendesAnwachsen derselben in Aussicht zu nehmen.

Ein zweiter Mittelpunkt der Silberproduktion, welcher fastebensoviel (30 Millionen Kilogramm) wie Bolivia geliefert hat,befindet sich in Peru am Cerro de Pasco ebenfalls 3500 m hoch.Auch hier sind die Schätze noch lange nicht gehoben und ist uachlängerem Stillstand des Bergbaus die Ausbeute 1894 wieder auf107 Tonnen gestiegen. Ein dritter Silberdistrikt entstand erst 1831in Chile bei Chanarillo und 1870 ein weiterer bei Carcoles. Da-durch ist die Silberproduktion von Chile 1888 bis auf 210 Tonnengestiegen, sie ist 1894 jedoch wieder auf 88 Tonnen heruntergegangen.

Sehr bedeutend sind auch die Goldbezirke von Süd-amerika , von denen zwei den Cordilleren und einer dem östlichenUrgebirge angehört.