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Die Gold- und Silberproduktion und ihr Einfluß auf den Geldwert / Gustav Kluepfel
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In Kolumbien (Neugranada) wird das Gold schon seit1537 als Waschgold gewonnen. Seitdem hat die Produktion nieganz aufgehört und am Ende des vorigen Jahrhunderts galt diesesGebiet als der bedeutendste Goldlieferant der Welt. Aber schondamals wie auch jetzt wieder betrug der Ertrag nicht mehr alsetwa 5 Tonnen jährlich. Nur die ununterbrochene Ausbeuteseit 350 Jahren hat es bewirkt, daß dieses Land den Goldvorratder Welt um etwa 3 Milliarden Mark bereichert hat.

Die Goldausbeute in Peru und Chile, welche schonden Inkas ihre Goldschätze lieferte, beruht ebenfalls größtenteilsauf der Bearbeitung von Schwemmgoldlagern, zum Teil wird esaber auch durch Bergbau und besonders als Nebenprodukt desKupfers gewonnen. Dieser Abbau hat erst wieder seit 1888einen neuen Aufschwung genommen und liefert jetzt regelmäßig23 Tonnen jährlich. Im ganzen soll Peru , Bolivia und Chileseit 1530 etwa 2 Milliarden Mark an Gold geliefert haben.

Während in den beiden vorgenannten Gebieten von Süd-amerika das Gold heute noch ungefähr in denselben Mengen wievor 100 oder 200 Jahren gewonnen wird, ist dies in Brasilien ganz anders. Dort hat die Ausbeutung des Schwemmgolds amEnde des 17. Jahrhunderts begonnen, in der Mitte des 18. mitetwa 15 Tonnen seinen Höhepunkt erreicht und ist von da bis indie Mitte dieses Jahrhunderts immer mehr zurückgegangen, bissie fast ganz aufgehört hatte. Im Jahre 1894 hat jedoch Brasilien wieder 3340 KZ Gold geliefert. Das brasilianische Gold, dessenMenge sich im ganzen auf etwa 3 Milliarden Mark berechnet,stammt weniger aus Gängen als aus dem Urgestein selbst, in wel-chem es in so kleinen Mengen zerstreut vorkommt, daß ein richtigerBergbau nicht lohnt. Dies ist der Grund, daß nach Ausbeutungder Schwemmsandlager die Gewinnung überhaupt nahezu aufhörenmußte und erst mit Hilfe der neuesten technischen Fortschritte wie-der einige Bedeutung erlangen konnte.

Außer den genannten drei Gebieten kommen neuerdings kleinereDistrikte der Goldgewinnung in Venezuela und den drei Guyanas sowie in Zentralamerika in Betracht, welche 1894 zusammenbereits 7792 KZ Gold geliefert haben. Dieselben werden für dieZukunft für recht hoffnungsreich gehalten, während man bezüglichder weiteren Entwicklung der Hauptgebiete keine besonderen Hoff-nungen auf Produktionsvermehrung, wohl aber auf die Fortdauerdes gegenwärtigen Verhältnisses hegen darf.

Vereinigte Staaten von Nordamerika . In demgrößten, aber am spätesten in Angriff genommenen Teil des ameri-kanischen Doppelkontinents, in den Vereinigten Staaten , ist bisjetzt im ganzen ungefähr dieselbe Menge Goldes gewonnen wor-den wie in ganz Süd- und Zentralamerika . Aber welch ein Gegen-satz in den beiden Hälften des Weltteils: in Südamerika sehen wir