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Die Gold- und Silberproduktion und ihr Einfluß auf den Geldwert / Gustav Kluepfel
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münzen diese überhaupt in Mißkredit gekommen waren. Imganzen 18. Jahrhundert blieb nun diese Relation aufrechterhaltenund auch der Produktionsanteil des Goldes stieg nur auf 3,1°/»der Gesamtproduktion. Auch noch in der ersten Hälfte des19. Jahrhunderts, wo die Wertrelation auf 15,6 : 1 gestiegenwar, betrug der Goldanteil der Produktion erst 3,5 °/o. Als nunletzterer infolge der kalifornischen und australischen Entdeckungenvon 1850 1860 plötzlich auf 18,3 °/o stieg und in der ganzenPeriode 18501870 15,6 "/o betrug, hätte niemand im vorauserwarten können, daß gleichwohl die Wertrelation 15,5 : 1 auf-recht erhalten blieb. Daß dies dennoch geschah, wird gewöhnlichdem damals in Frankreich gesetzlich geltenden Bimetallismus zu-geschrieben. In Wahrheit konnte aber das Verhältnis nur des-halb bestehen bleiben, weil in dieser Zeit bei dem durch Eisen-bahnen und Dampfschiffahrt ungemein gesteigerten Weltverkehr dieVorliebe der europäischen Handelswelt für das gelbe Metall un-geheuer wuchs, während gleichzeitig in dieser Zeit durch den Auf-stand in Indien und den Aufschwung der indischen Baumwoll-produktion infolge des nordamerikanischen Bürgerkriegs der BedarfIndiens an Silber zu wachsen begann, ein Bedarf, welcher seit-dem zwar zeitweise nachgelassen hat, aber im ganzen immer nochandauert, jedoch niemals wesentlich über die Ziffern der 60 erJahre hinausgegangen ist. Diese Umstände mußten die bestehendeWertrelation aufrecht erhalten mit und ohne gesetzliche Doppel-währung. Von 18711894 ist nun der Anteil der Goldpro-duktion an der ganzen Edelmetallproduktion der Menge nachallmählich wieder auf 5,5 °/o herabgegangen und in diese Zeitfällt auch die allmähliche Aenderung der Wertrelation bisauf 32,6 : 1. Die Erklärung dieser Thatsache liegt auch hierweniger in den Änderungen der Gesetzgebung als in der That-sache der wachsenden Bevorzugung des Goldes durch den Handels-stand in Europa und in den englisch sprechenden überseeischenLändern, und in der Unfähigkeit Indiens, die fortwährend ge-steigerte Silberproduktion zu den alten Preisen aufzunehmen. Beiden gefallenen Preisen konnte nun in den letzten Jahren der Silber-absatz ungemein gesteigert werden, so daß auch jetzt nach Auf-hebung der Rupienprägung die Silberausfuhr nach Ostasien größer ist als je.

Wir geben nun als Abschluß unserer Mitteilungen über dieEdelmetallproduktion eine Übersicht der Weltproduktion in denbeiden Jahren 1893 und 1894 nach den zuverläßigsten bis jetztbekannt gewordenen Berechnungen: