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Die Gold- und Silberproduktion und ihr Einfluß auf den Geldwert / Gustav Kluepfel
Entstehung
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Periode noch länger andauert, da Indien von alter Zeit her nochgroße Goldschätze besitzt, welche es bei dem hohen Goldpreis viel-leicht geneigt ist, für Silber umzutauschen. Später wird freilichwieder eine Periode der Goldeinfuhr kommen, wir können aber hier,wo wir nur die Verhältnisse der nächsten zwei Jahrzehnte insAuge fassen, keine Rücksicht darauf nehmen und müssen uns nurbewußt bleiben, daß auch Indien vielleicht einen Teil des Goldesbeanspruchen wird, den wir als Zuwachs für monetäre Zweckezu berechnen im Begriff sind.

Was den industriellen Verbrauch von Gold in unsererwestlichen Verkehrswelt betrifft, so hat der Münzdirektor Prestonmit Berücksichtigung aller zugänglichen Nachrichten und vorhandenenSchätzungen für das Jahr 1893 folgende Tafel aufgestellt:

Ver. Staaten von Nordamerika . . 15,736 KZ

England ........... 17,000 ,.

Deutschland .......... 15,000

Frankreich .......... 12,000

Schweiz ........... 6000 .,

Belgien und Holland ...... 2400 ..

Oesterreich-Ungarn....... 2400

Rußland ........... 2400 ..

Andere Länder........ 2520 ..

75,456 KZ

Lexis und O. Haupt nehmen dagegen etwa 100,000 KZ an.Um sicher zu gehen, und in der Erwartung, daß der Goldver-brauch in der nächsten Zeit noch zunehmen wird, wollen wir fürdie nächsten 20 Jahre einen Durchschnittsverbrauch von 120,000 KZannehmen.

Dann blieben also als Zuwachs des monetären Geldverbrauchsder Welt jährlich 180 Tonnen und der Goldvorrat der Welt würdesich nach 20 Jahren um etwa 10 Milliarden Mark erhöht haben.

Viel schwieriger ist es nun freilich, bezüglich des Silbers zueiner ähnlichen Schätzung zu gelangen. Betrachten wir zunächstdie Aussichten der Produktion, so müssen wir vor allem hervor-heben, daß bisher noch immer die Voraussagungen über das Maßder Abnahme aus Anlaß des Preisfalls zu Schanden gewordensind. Wer hätte geahnt, daß im Jahr des sogenannten Silber-krachs in Nordamerika die dortige Silbergewinnung mit fast 1900Tonnen nur wenig unter dem 1892 erreichten Maximum gebliebensein würde, und daß 1894, wo das ganze Jahr über der nahezugleichmäßig niedrige Preis von 85,4 Mark per Kilogramm herrschte,gleichwohl die Produktion der Vereinigten Staaten nur um 18°/herabgehen würde. Unter Fachleuten herrscht darüber gar keinZweifel, daß diese Abnahme nicht etwa Folge von vorherge-gangenem Raubbau, sondern nur im Preisfall begründet ist und