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daß schon eine kleine Steigerung des Silberpreises die Produktionin Nordamerika wieder auf den Stand von 1392 heben würde,und daß ein Preis von 180 Mark per Kilogramm die Produktionnoch sehr viel darüber hinaussteigern würde. Das Silber ist imBoden vorhanden, es kommt nur darauf an, in wie weit es sichlohnt, es zu holen.
Eine andere Frage ist freilich, ob im Jahr 1894 beider Produktion von 5200 Tonnen schon alle die Silbergruben zuproduzieren aufgehört haben, welche bei dem herrschenden Preisnicht mehr bestehen können. Es ist wohl möglich, daß bisher nochmanche mit Verlust gearbeitet hat in der Hoffnung auf bessereZeiten und daß vielleicht, wenn der jetzige Preis auf die Dauerbestehen bleibt, die Weltproduktion auf 4500 Tonnen herabgeht.Diese Zahl halten wir aber für die äußerste Grenze. Es ist hier-bei namentlich zu berücksichtigen, daß gegenwärtig die Produktionvon Nordamerika, eines Teils von Mexiko, diejenige von Austra-lien und vollends die von Europa hauptsächlich auf der Verar-beitung horizontaler oder schwach geneigter Lagerstätten beruht, ausdenen das Silber gemeinschaftlich mit anderen Metallen, haupt-lich mit Blei, Kupfer und Zink sowie mit Chemikalien wie Schwefel-säure, Soda, Vitriolsalze und dergleichen gewonnen wird. DieseVerbindung bewirkt eine gewisse Stetigkeit der Produktion unab-hängig vom Preis, umsomehr als jene Lager überaus nachhaltigerNatur sind. Wenn wir also 4500 Tonnen als das Minimum derProduktion ohne Bimetallismus betrachten, so würden-die Aus-sichten ganz anders, wenn es den Agitationen der Bimetallistengelingen würde, den alten Preis von 180 Mark per Kilogrammwieder herzustellen. Zwar in Europa würde die Steigerung kaummerklich sein und jedenfalls nur sehr langsam eintreten. Sonstüberall aber würde eine große Bewegung in der Berg- und Hütten-Industrie der silbererzeugenden Länder eintreten. Von den Ver-einigten Staaten haben wir schon gesprochen, aber der Schwer-punkt liegt in Mexiko und Bolivia, wo nach dem Urteil aller Sach-verständigen, auch der bimetallistisch gesinnten, noch ungeheureSchätze zu heben sind. Es wird zwar von jener Seite behauptet,daß in diesen Ländern der Silberpreis keinen Einfluß auf die Pro-duktionskosten habe, aber niemand wird leugnen können, daß derReinertrag der Silberwerke schießlich in Goldwerten seinen Aus-druck finden muß und daß daher der steigende Goldpreis des Silbersin weitestem Umfang europäisches und nordamerikanisches Kapitalzur Anlage in Silberbergwerken heranziehen wird. Die Pro-duktionsvermehrung, welche hieraus und aus der Ausbeutungärmerer Erze resultieren wird, läßt sich freilich kaum schätzen, abereine Erhöhung der Produktion, welche bei einem Preis von 85bis 105 Mark schon über 5000 Tonnen betrug, auf 7000 Tonnenbei einem Preis von 180 Mark dürfte keine übertriebene Annahme