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Die Gold- und Silberproduktion und ihr Einfluß auf den Geldwert / Gustav Kluepfel
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duktion mit dem Bedarf Ostasiens und der westlichen Industrieallmählich ins Gleichgewicht zu setzen, so daß der Valuta-Unter-schied gegen alle Länder der Goldwährung jedenfalls nicht schlimmeranzusehen ist als derjenige der besser situierten Papierwährungs-länder. Ueberhaupt darf nie vergessen werden, daß der HandelDeutschlands mit den Silberländern in Ein- und Ausfuhr nur 4 °/odes gesamten Handels beträgt und zur Zeit der Doppel- bezw. Sil-berwährung in Europa noch viel geringer war. Was endlich die kürz-lich lebhaft hervorgetretene Meinung betrifft, daß der billige Silber-preis schon wegen der drohenden industriellen Konkurrenz von Chinamüsse hintangehalten werden, so scheint es uns unmöglich, daß diebillige industrielle Arbeit der Chinesen, falls sie wirklich Thatsache ist,durch irgend eine Währungsmaßregel unschädlich gemacht werden kann.

Also die Silberfrage bleibt stets Nebensache. Die Hauptfrageist vielmehr:Ist durch die Goldwährung die Stabilität desWertmessers gestört worden? Hat bereits eine Goldverteuerungstattgefunden oder ist eine solche in Aussicht zu nehmen?" Wärendiese Fragen zu bejahen, so wäre allerdings ein bedeutendes Argu-ment gegen die Goldwährung vorgebracht, und wenn weiter be-wiesen würde, daß bei der Goldwährung die Hoffnung auf eineallgemein giltige Weltwährung für alle Zeit aufzugeben wäre,so wäre dies ein zweites Argument gegen dieselbe. Glücklicher-weise können aber eben diese Fragen alle mit Entschiedenheit ver-neint werden.

Stellen wir die Frage voran, ob jetzt schon eine Goldver-teuerung stattgefunden hat, so pflegt man von bimetallistischerSeite zur Begründung der Bejahung die sogenannten Sauerbeck-schen Indexziffern anzuführen, durch welche bewiesen sein soll,daß die Warenpreise des Großhandels bis zum Jahr 1892 an-nähernd in gleicher Weise einem Niedergang unterworfen gewesenseien wie das Silber. Man folgert hieraus, daß eine entsprechendeWertsteigerung des Goldes und nicht eine Wertverminderung desSilbers vorhanden sei. Dem Umstand, daß gerade diese Waren(es sind dabei nur diejenigen Artikel berücksichtigt, deren Produktionoder Einfuhr in England den Wert von 20 Millionen Mark übersteigt)durch Verbilligung der Technik und des Transports billiger werdenmußten, wird weiter keine Rechnung getragen, ebensowenig wiedem Umstand, daß eine Verteuerung des Goldes beim Arbeitslohnnicht nachzuweisen ist, vielmehr letzterer wenigstens in Deutschland entschieden gestiegen ist. Viel wichtiger als die Preisvergleichungvon Warengattungen, welche immer ungenau bleiben muß, weildie Gattungen selbst in der Mehrzahl nicht gleich bleiben, ist immer-hin die Thatsache , daß im großen und ganzen keine Verbilligungdes Lebens, sondern eine Verteurung eingetreten ist. In Deutsch-land wenigstens wird das am Währungsstreit unbeteiligte Publikumnie den Theoretikern Glauben beimessen, welche ihm vorreden, daß

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