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seit Einführung der Goldwährung bis Ende 1894 das Leben beigleichen Ansprüchen um 40 °/o billiger geworden ist, wie es nachden Sauerbeckschen Indexziffern der Fall sein müßte.
Nehmen wir nun auch unsere geschichtliche Betrachtung derGeldwertänderung wieder auf, so findet sich im ganzen bisherigenGang derselben, soweit sie statistisch faßbar ist, kein ebenso deut-lich und unbestritten nachgewiesener Fall der Geldwerterhöhung,wie wir einen solchen der Geldentwertung gefunden haben. Be-trachten wir unsere Wertkurve, so finden wir in der 100 jährigenPeriode von 1620—1720 zwar eine kleine Einsenkung, welche eineGeldverteuruug vermuten lassen könnte. In der That ist auchin der Zeit nach 1660 eine Periode billiger Preise in Mittel-europa zu konstatieren, aber die Änderung war doch verhältnis-mäßig unbedeutend und ging so langsam vor sich, daß hiedurchkeine Störungen der Volkswirtschaft entstanden. Gehen wir aberweiter, so finden wir allerdings eine stärkere, aber kürzer dauerndeSenkung der Wertkurve in den Jahren 1810—1848, welche ihrenTiefpunkt im Jahr 1825 hat. In dieser Zeit war die Silber-produktion von 900 auf 450 Tonnen und die Goldproduktivn von18 auf 14 Tonnen heruntergegangen und der Jahreswert derEdelmetallgewinnung von 240 auf 121 Millionen Mark. Dieswar das Resultat der Revolutionen in Mexiko und Südamerika .Man könnte nun meinen, eine derartige Verringerung der jährlichproduzierten Edelmetallmenge auf weniger als die Hälfte inner-halb 15 Jahren müßte eine ziemliche Revolution in den Geld-wertverhältnissen hervorgebracht haben. Gleichwohl ist dies nichtder Fall gewesen und es hat dies seinen Grund ohne Zweifel darin,daß in dieser Periode das Papiergeld in Europa eine große Rolle zuspielen anfing. Das mangelnde Edelmetall wurde durch Kredit-werte ersetzt und dadurch eine Revolution des Geldwerts unbewußtvermieden. Übrigens dauerte die Periode auch nicht lange, daschon im dritten und noch mehr im vierten Jahrzehnt des Jahr-hunderts die Goldnot durch die sibirischen und die Silbernot durchdie chilenischen Funde gehoben wurde.
Wie wenig aber in unserer Zeit von einer durch die „Aechtung"des Silbers veranlaßten Geldnot gesprochen werden kann, ergibtsich aus folgender Zusammenstellung:
In der Zeit, wo im festländischen Europa der Bimetallismusund die Silberwährung herrschte, und wo der Goldstrom so reichlichfloß, daß man eher das Gegenteil als einen Mangel an Edelmetallbefürchtete — in den Jahren 1856—60 stellte sich die Rechnung wiefolgt: die Goldproduktion betrug durchschnittlich im Jahr 202 unddie Silberproduktion 905 Tonnen, dagegen der industrielle Goldver-brauch 70 und der industrielle Silberverbrauch 400 Tonnen. Es bliebalso ein Edelmetallwert von 459 Millionen Mark übrig. Hievon ab-sorbierte Indien 265 Millionen, der westlichen Verkehrswelt bliebenalso nur 194 Millionen Mark für Geldzwecke übrig.