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Die Gold- und Silberproduktion und ihr Einfluß auf den Geldwert / Gustav Kluepfel
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In der Zeit des tiefsten Stands der Goldproduktion, im Jahr1884, wo in Mitteleuropa zwar die Goldwährung eingeführt war,dagegen in Nordamerika unter der Blandbill der Silberbedarf vor-herrschte, betrug die Goldproduktiou 145, die Silberproduktion 2746Tonnen. Damals wurde der industrielle Goldverbrauch zu 90 undder industrielle Silberverbrauch zu 515 Tonnen geschätzt. Es bliebalso ein Edelmetallwert von 555 Millionen Mark übrig, wovonIndien 233 Millionen beanspruchte. Der westlichen Berkehrsweltblieben also 322 Millionen Mark zu Geldzwecken zur Verfügung.

Im Jahr 1894, dem ersten, in welchem die westliche Verkehrs-welt mit geringen Ausnahmen kein neues Silber zu Geldzwecken ver-brauchte, betrug die Goldproduktion 267 und der industrielle Gold-verbrauch 100 Tonnen. Da Indien keinen Anspruch an das Goldmachte, so blieb für Geldzwecke 167 Tonnen oder 466 MillionenMark allein an Gold übrig. Auch wenn wir den Durchschnitt derJahre 18901894 zu Grunde legen, so blieben nach Abzug des indi-schen Bedarfs jährlich 326 Millionen Mark in Gold übrig.

Wir sehen also, daß trotz derÄchtung des Silbers" dasfür monetäre Zwecke erforderliche Metall jedesmal in steigendemMaße zu Gebot stand.

Für die nächsten 20 Jahre haben wir bereits im vorigenKapitel die Vermehrung der Goldmünzen jährlich auf einehalbe Milliarde veranschlagt, so daß nach Versluß derselben derWelt etwa 26 Milliarden Gold in Münzen oder Barren zur Ver-fügung ständen neben einer beliebigen Menge von Silber zuScheidemünzen.

Sollte nun eine solche Vermehrung in der That unzuläng-lich sein? Wenn es so wäre, so wäre immer noch keine Geldver-teurung, sondern höchstens eine Vermehrung des Kreditgeldes, eineminder vollkommene Deckung der Banknoten die Folge; aber derBetrag wird überhaupt nicht unzulänglich sein. Die Bimetallistenvergessen so häufig, daß eine vollkommene Metallzirkulation nurin Staaten mit sehr geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen auf-recht erhalten werden kann, und daß der Weg dahin für dieStaaten ein sehr langer ist. Die Metallzirkulation erfordert sehrgroße Mittel und es macht keinen Unterschied, ob Gold oder Silberhiezu angeschafft werden muß. Für ein junges Kulturland sindzunächst Eisenbahnen und Fabriken viel wichtiger als eine Metall-valuta, und wiederum sind politisch stetige Verhältnisse, ein ge-ordneter Staatshaushalt, regelmäßige Zinszahlungen wichtiger alsgroße Metallreserven. Wenn wir die Staaten Revue passierenlassen, welche in den nächsten 20 Jahren möglicherweise zu einerMetallvaluta gelangen können, so. sind es jedenfalls nicht viele.Man wird glauben können, daß Österreich-Ungarn und Rußland ,wenn sie in der bisherigen vorsichtigen Weise fortfahren, zur Gold-währung kommen werden, bei Italien wird man schon zweifelhaft sein