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Die Gold- und Silberproduktion und ihr Einfluß auf den Geldwert / Gustav Kluepfel
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und bei Spanien und Portugal, bei Griechenland wird schon gar keineRede von Metallwährung sein können, ebenso mit wie ohne Doppel-währung. Gehen wir über das Meer, so wird Mexiko bei derSilberwährung beharren, das kleine Chile muß Glück haben, wennes seinen kühnen Versuch der Goldwährung durchführen kann, beiBrasilien, Argentinien, Peru , Columbia ist es durchaus unglaub-lich, daß sich diese Staaten von der Papierwährung so rasch los-machen können. Es bleibt also nur Indien als nächster Kandidatübrig; natürlich kann auch hier in den nächsten 20 Jahren nochnicht von der vollständigen Durchführung der Goldwährung dieRede sein, aber nicht wegen Mangels an Gold, sondern weilIndien wirtschaftlich nicht in der Lage sein wird, so viel für seineWährung aufzuwenden. Es wird sich also mit dem Anfang derAnsammlung eines goldenen Bank- oder Reichsschatzes begnügenmüssen, und dazu wird, falls das hiezu nötige Gold nicht aus bereitsvorhandenem indischem Besitz beschafft werden kann, ein kleiner Teiljener 10 Milliarden hinreichen, um welche in der betrachteten Periodeder Münzvorrat der Welt unter der Herrschaft der Goldwährung zu-nehmen wird. Der übrige Teil wird reichlich für die Stärkung derGoldwährung in denVereinigtenStaaten, für die wirkliche Einführungderselben in Österreich-Ungarn, in Rußland, eventuell auch in Italien und für die neuen Geldbedürfnisse in Südafrika hinreichen. Manbedenke nur, mit wie wenig Gold die Staaten mit guten Kredit-verhältnissen ausreichen! Dies zeigt Holland , welches mit Ein-schluß seiner Kolonien mit etwa 100 Millionen Mark Gold aus-kommt, ebenso Skandinavien und die Schweiz , nicht zu rechnenKanada, welches die Goldwährung fast ohne Gold aufrecht erhält.Und dann ist es ja nach Verfluß jener 20 Jahre noch lange nichtaus mit dem Goldzufluß. Kurzum es ist nicht abzusehen, warumnicht auch künftig wie bisher jedes Land, welches in der Lagesein wird, überhaupt für eine Metallvaluta die nötigen Auf-wendungen zu machen, die Goldwährung sollte einführen können.

Unsere Betrachtung der Produktionsverhältnisse führt unsalso immer wieder zu dem Resultat, daß die Doppelwährunggefährlich ist, weil sie eine Geldentwertung mit denFolgen der tiefgreifendsten plötzlichen Verwirrungherbeiführen würde, und daß sie überflüssig ist, weildie Goldwährung alle vernünftigen Wünsche, welcheman von einer Währung erwarten kann, zu erfüllenin der Lage ist.

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Druck von A, Vonz' Erbe» in Stuttgart .