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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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nachdenklich werden, wcnn sie in Erfahrung bringen, unsereGoldstücke gingen über die Grenze. Woran dachten sie nur,als sie es so schöu fanden, wenn für die ganze Welt nureine Art von Geld bestände? Der Gedanke ist ja einsehr edler, schöner, etwa so erhaben und human wie dervon denVereinigten Staaten Europas", vou der Ab-schaffung der stehenden Heere und dem ewigen Frieden. Beinäherer Betrachtung ist auch gerade dieser Gedanke derWeltmünze nicht als praktisch ausführbar vorzustellen, ehenicht jeue andern Ideale erreicht sein werden. Aber daß diemeisten Menschen, welche die Wcltmünze unter die Zahlihrer Herzenswünsche anfnahmcn, an nichts weniger als andcrcu wahre Bestimmung dachten, nämlich an die Aufgabe,sie unbehindert von Land zu Land ziehen zu sehen, das be-weist der Schrecken, der sich in denselben Reihen verbreitet,sobald es heißt:Es sind deutsche Goldstücke uach Brüsselversandt worden." Sie wollen eine Wcltmünze, und wenndieselbe dem einzigen damit vernünftigerweise zu verbinden-den Gedanken nur so uahe kommt, daß sie 30 Meilen weitüber die Grenze geht, so verlieren sie schon die Fassung.ES gibt wenige Dinge auf der Welt, die einen so tiefenSinn in sich bergen, als das Geld, uud wcuige, unter derenalleräußerlichste Oberfläche eiuzudriugen den Menschen soschwer wird. All die Zeiten her, in denen die Umgestal-tung des deutschen Münzwcscns auf der Tagesordnung staud,konnte man täglich erleben, daß zwei Gedanken am meisten,wcnu nicht ausschließlich den Geist der sich darüber aus-lastenden Weltlcntc beherrschten, der Gedanke ans Reisenund der Gedanke an die Trinkgelder. Man Hütte wirklichglauben können, das ganze Leben der Nation erschöpfe sich

Bamberger, Rcich-Zgold. g