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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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tom einer innern organischen Zersetzung unserer Geldvcr-fassung anzusehen. Es war thatsächlich herrschende An-schauung in den allcrsachverständigstcn Geschäftskreisen, daßüber kurz oder lang doch wieder ein Umschlag znm vormaligenVerhältnisse eintreten müsse, bei welchem der Wechsel vonDeutschland aufs Ausland sich in der Nähe der Silbcrparitätbehauptet, ja durchaus uicht selten uuter derselben gestandenhatte. Diese Auffassung entsprach ganz und gar dem Geisteder Routine, welcher dem Betriebe der Tagcsgcschäftc natur-gemäß inncwohnt. Auf Steigen folgt Fallen und umgekehrt,so sagt sich die an dem blos äußerlichen Verlaufe der Dingehaftende Beobachtung. So sagt sie sich namentlich bei derersten Wahruehmuug jedes veränderten Barometerstandes.Gerade bei den mit starker Reserve von Mitteln arbeitendenGeschäftsleuten bildet sich auf Grund ihrer Erfahrung eineMethode aus, welche die Lehre von dem unvermeidlichenGesetze des Auf- und Abwogcns, das iu allen Lebenssphärcnherrscht, zur Richtschnur ihres Verfahrens macht. Ihnengegenüber steht die sanguinische kurzlebige Masse der Klei-neren, welche iu ihren Eindrücken wie in ihren Handlungendem Augenblick opfern, über den sie nicht hinaussehen, überden hinaus zu opcriren die Mittel ihnen anch nicht zur Ver-fügung stehen. Irren sie, so zahlen sie's sofort mit ihremganzen Einsatz, denn sie haben weder Fassung noch Proviantgenug, in ihrer Lage auszuharren, bis die wieder zurückrau-schcnde Welle auch ihncu wieder recht gebe. Ihr Widerpart,der gewiegte, auf langes Aushalten vorgesehene Mann desFaches, wartet ruhig den Tag ab, der seinen Irrthum wiedercorrigirt, weun er einen begangen hat. Aus dem Gebieteder Spcculation gilt ohne Zweifel, was man oft mit Un-