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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Staat massenhaftes Papiergeld fabricirc, um jedem Ange-hörigen so viel zu geben, als er brauche; eine Theorie,welche merkwürdigerweise in dem Streite um die Doppel-währung auch von einem bekannten belgischen National-d'konomcn") angerufen wurde, mit der Motivirung, daßje billiger (also je werthloscr) das Gcldmaterial sei, destobesser.

Die Wirkungen stillschweigender Ucbcreinkunft uud gesetz-licher Machtgcbote sind nicht zu unterschätzen. Sie vermögenviel über die Vorstellungen der Menschen und können mit-tels deren auch zeitweise über die Verhältnisse der Wirk-lichkeit täuschen, ja über dieselben forthelfen. Wenn allesVolk sich einbildet, ein Stück Papier sei wirkliches Geld, sowird man vielleicht Jahr und Tag damit kaufen nnd ver-kaufen, d. h. bis zum Tage, an welchem die Wirklichkeit ihreRechte geltend macht mit ihrer ranhcn Hand. Diese rauheHaud wird aber zuerst fühlbar, wenn es zur Berührungkommt mit dem Bereiche jenseits der eigenen Grenzen, inner-halb deren die häusliche Uebcrcinkunft uud das häuslicheMachtgcbot uoch gilt, außerhalb deren es seinen Zauber uudsein Ansehen verliert. Wäre ein internationales Geld nicht uu-cutbchrlich zum steten gleichartigen und sichern Verkehre mitdem Auslande, so wäre es schon unentbehrlich als unbestechlicherZeuge für den innern Werth desselben. Müßte die Frei-zügigkeit des Geldes (gesetzliche Prägcfrcihcit) nicht begehrtwerden, um der Sicherheit des auswärtigen Verkehrs willen,so bliebe sie doch als die einzige wahre Bürgschaft zu ver-

^) Euulc'dc Lavclcyc.