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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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entscheidend, Frankreich befindet sich Wohl dank seiner gün-stigen Handclsbalanz.

Da kommt Holland uns entgegen mit einer noch gün-stigeren Balanz, nur daß ihm zur Plage wird, was Frank-reich Wohlthat war. Warum? Hier müssen wir uns alsowieder dem anderen Element zukehren: den Münzzuständcn.Worin unterscheidet sich Holland , das eine Handclsbalanzähnlich derjenigen von Frankreich hat, in Währungssachcnvon diesem? Im Punkte der activen Wahrung sind sieeinander gleich. Nur in dem einen Punkte bleibt noch einUnterschied bemerkbar zwischen dem behaglichen ZustandeFrankreichs nnd dem unbehaglichen Hollands, daß jenes diepassive Goldwährung besitzt, dieses nicht.''') Also auch einLaud, welches nichts ans Ausland hcrauSzuzahlcn hat, kannin Verlegenheit gerathen, wenn sein MllnzorganiSmns aneiner Seite gelähmt ist. Litten wir Deutschen an demUmstände, der Holland bedrückt, hätten wir mehr zu em-pfangen als zu zahlen, so wären wir ebenso wenig inVerlegenheit gerathen wie die Franzosen , denn man kannuns jede Schuld in Gold abtragen. Beständen in Holland die Münzznständc, wie sie bei uns bestanden, so würde seineHandclsbalanz ihm keine Verlegenheit bereiten.

Welches waren dic Unannehmlichkeiten, über wclchc inHoltand so lebhaft geklagt wurde, daß die Gesetzgebung ein-schreiten mußte? Bei uns zn Hause dachte man bis jetzt, Beun-ruhigung könne nnr daraus entspringen, wenn infolge gestörterUmlaufsmittcl mit ungünstiger Handclsbalanz ein Steigen desWechsels aufs Ausland, eine Entwcrthnng der eigenen Valutaplatzgreifc. Wie kommt cs, daß man auch inHolland klagt? Dort

6) D. h. bis zu seinem neuesten Gesetze uicht besaß.

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