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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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mchr gerechnet, als die Thatsachen rechtfertigten. Die Folgewird sein: nicht daß wir Schisfbruch leiden, aber daß wirnur mit Aufwand von etwas mchr Mühe und Opfern anKLand kommen, als zu erwarten war.

Es sei hierbei eingeräumt, daß auch denen, welche stetsihre Stimme erhoben, um vor zu großem Sicherhcitsgcfühl zuwarnen und zur Eile -zu treiben, der Umschlag überraschendfrüh kam. Auch wer alle Gefahren der fünf Milliardenerkannt Hütte"), würde nicht gewagt haben, sich zu der Be-fürchtung zu versteigen, daß vor dem Ablaufe dreier Jahreder ungeheuere Druck, welchen die Zahlung der Kriegsent-schädigung auf den Wechselkurs ausüben mußte, erschöpftsein würde. In diesem Punkte, kann man wohl sagen, wardie ganze Welt im selben Irrthume befangen. Zu erklären,wie diese ungeheuere Kraft, so rasch ausgebraucht, in ihrenGegensatz umschlagen konnte, ist hier nicht der Ort. Un-endlich viel ist bereits darüber gesagt und geschrieben wor-den. Sünden von unteu kamen zu Versehen von oben; nichtzu vergessen aber ist die ohne Zweifel beträchtliche Nach-wirkung viel älterer Sünden, auf die bereits hingewiesenworden (s. Nummer 9).

Wäre Deutschland nicht lange vor dem Kriege derSchuldner des Auslandes gewesen, so hätten alle Sündender Spcculation und die Fehler der Finanzoperationen so>rasch es nicht wieder zum Schuldner des Auslandes machenkönnen. Haben die Ausschweifungen des Verkehrslebcns

5) Siehe meine Abhandlung:Die fünf Milliarden", in denPreußischen Jahrbüchern, Jannar 1373, anch separat verlegt (Berlin ,Reimer).