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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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Die Einbuße auf das noch zu verkaufende Silber ist,abgesehen vom Schaden der Verzögerung, der einzigematerielle Verlust, welcher hierbei zu beklagen. Der Gold-abfluß brachte nicht nur keinen Verlust, sondern es läßt sich,so absonderlich dies klingen mag, mit gutem Recht dasGegentheil behaupten. Wenn Gold ausgeführt worden ist,um unsere Balanz mit der Fremde auszugleichen, so könnenwir gauz gewiß sciu, daß in diesem Golde das vorteilhaf-teste Zahlungsmittel gegeben war, jedes andere theuerer zustehen gekommen wäre. Die allgemeine Regel des Geschäfts-ganges ist vollständig ausreichend, um uns darüber zu be-ruhigen. Indem die NcichSvcrwaltung Gold einheimste zurZeit, als es noch bedeutend billiger war, und der deutscheHandel Gold ausführte, als es bedeutcud im Preise gestiegen,hat beider vereinte Thätigkeit das geleistet, was den Inbegriffjeder guten Wirthschaft ausmacht: wohlfeil einkaufen undtheuer verkaufen. Die Leute allerdings, welche meinen, eineNation durch hohe Zollmaucrn vor dem Unglück billigerEinkäufe bewahrcu zu müssen, werden auch zu dieser Auf-fassung den Kopf schütteln. Sie hätten ohne Zweifel vor-gezogen, daß Crcditvcrlüngcrungen oder Prodnctcnansfuhr,die uns theuerer zu stehen kommen, an Stelle des Goldesgetreten wären, und hätten entfernt nicht gemerkt, daß darinein Mehraufwand au Kraft lüge, den schließlich die Nationselbst zu tragen hat. So und immer so geht es zu in diesemgroßen Kapitel, das ein berühmter Ockonom überschreibt:Was man sieht nnd was man nicht sieht!"

Selbst für die Vcrsänmniß im Punkte der Mnnzscheinehaben wir einen guten Trost, den nämlich, daß ohne dasaufregende Schauspiel der slichcuden Goldstücke weder die