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Vom Dreibund zum Dreiverband
damit jeder anderen Großmacht, die sich zur kriegerischenAuseinandersetzung mit Deutschland entschließen sollte,von vornherein ein nicht zu unterschätzender Bundes-genosse gesichert sei. Die Gefahr der Bildung gegnerischerKoalitionen hat durch diese Tatsache eine besondere Ver-schärfung erfahren; sie hat für die Politik des DeutschenReichs von Anfang an eine Erschwerung geschaffen, wiesie die Politik keines andern Staates belastete.
Es ist bekannt, wie Bismarck diese Verhältnisse ge-meistert hat. Bei seinem Rücktritt hinterließ er uns eineMächtegruppierung, die sich in kurzen Zügen folgender-maßen umreißen läßt:
Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien in demSchutzbündnis des Dreibundes zusammengeschlossen. Ruß-land durch den geheimen RückVersicherungsvertrag vonjeder Allianz mit offensiven Zielen gegen das DeutscheReich abgehalten. England in der Gesamtorientierungseiner Politik dreibundfreundlich, wenn auch frei vonirgendwelchen vertragsmäßigen Bindungen.
Bismarck selbst hatte den Wert von Bündnissen undVerträgen nie überschätzt. Niemand wußte besser als er,daß Bündnisse und Verträge, sollen sie in den Lagen, fürdie sie geschlossen sind, Stich halten, der Untermauerungdurch die Übereinstimmung der wirklichen Interessen dervertragschließenden Teile bedürfen. Vor allem war sichBismarck klar über den bedingten Wert der ZugehörigkeitItaliens zum Dreibund: auf der einen Seite war der
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