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Die Vorgeschichte des Weltkrieges / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Lebensnotwendigkeit des deutschen Landheeres

solchen Überlegenheit nahekommt, Frankreich gegenüberbesitzt und außerdem natürlich an seiner Ostgrenze mitRußland zu rechnen hat. Deutschland hat nichts, waseinem Zwei-Mächte-Standard ähnlich sieht. Deutschlandist deshalb durch gewisse neuere Ereignisse alarmiert wor-den und ist deshalb im Begriff, hohe Summen für die Ver-stärkung seiner militärischen Machtmittel aufzuwenden."

Diese sachliche Beurteilung trug dem wirklichen Tat-bestand insofern noch nicht einmal ganz Rechnung, als dierussische Armee der deutschen an Zahl bedeutend überlegenwar und als die Anstrengungen Deutschlands, seine Volks-kraft für das Heer auszunutzen, weit hinter den Anstren-gungen Frankreichs zurückblieben. Nach einer im britischenUnterhaus im Juni 1913 gegebenen Auskunft betrugdamals die Friedenspräsenz des russischen Heeres 1 284 000Mann, während die Friedenspräsenz des deutschen Heeresdurch das neue Militärgesetz auf 822 000 Mann gebrachtwerden sollte. Die Friedenspräsenz des französischenHeeres wurde für die Zukunft auf 742 000 Mann beziffert,diejenige des österreichisch-ungarischen Heeres auf474 000 Mann. Das russische Heer war also dem deutschenum etwas mehr als die Hälfte überlegen. Die gleichezahlenmäßige Überlegenheit hatte das vereinigte russisch-französische Heer gegenüber dem deutsch-österreichisch-ungarischen Heer. Die Friedensstärke des französischenHeeres kam derjenigen des deutschen nahezu gleich, ob-wohl Deutschland eine Bevölkerung von 68 Millionen,

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