Frankreichs Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeit
eine den Rüstungen der möglichen Gegner und der schwie-riger gewordenen politischen Konstellation angepaßte Ver-stärkung unseres militärischen Schutzes anstrebte, alsBedrohung des Weltfriedens ausgeschrien. Ich war selbstZeuge der ungeheuren Erregung, die die Einbringungunserer Militärvorlage von 1913 auf einflußreiche KreiseFrankreichs machte. Diese Vorlage war mehr als aus-reichend durch die Machtverschiebung begründet, die dererste Balkankrieg herbeigeführt hatte. In Frankreichaber sah man in dem Willen Deutschlands, die gesetzlichbestehende, aber bisher nicht völlig verwirklichte all-gemeine Dienstpflicht tatsächlich durchzuführen, nur diesich daraus für Frankreich ergebende Unmöglichkeit, dieFriedensstärke des Heeres, trotz des gewaltigen Abstandesder Bevölkerung gegenüber Deutschland, auch weiterhinauf annähernd derselben Höhe wie das deutsche Heer zuhalten. Man sah es geradezu als eine HerausforderungFrankreichs an, daß Deutschland unter dem steigendenDruck der politischen Bedrohung endlich dazu überging,'seine Bevölkerungsüberlegenheit gegenüber Frankreich —nicht etwa voll auszunutzen, davon war keine Rede, son-dern überhaupt nur in bescheidenem Umfang ins Spiel zusetzen. Rußland durfte mit französischem Geld ein Heeraufbauen und ausrüsten, das eineinhalbmal so stark warwie das deutsche allein und ungefähr ebenso stark, wie dasdeutsche und österreichisch-ungarische zusammengenom-men. Wenn aber das nicht nur von Frankreich, sondern
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