Die Etappen zum Weltkrieg
Im Ausland wie in Deutschland selbst entstand zunächstder Eindruck, als ob mit dem Erscheinen des „Panther"auf der Reede von Agadir eine deutsche Festsetzung inMarokko beabsichtigt sei. Als dann später die Grundzügedes mit Frankreich verhandelten Abkommens bekanntwurden, bildete sich die Meinung heraus, daß die deutscheRegierung, gezwungen durch das von ihr nicht voraus-gesehene Eingreifen Englands, gegen ihre ursprünglicheAbsicht auf einen Anteil an Marokko verzichtet habe.
Diese Auffassung ist falsch. Die deutsche Regierung hatvon Anfang an bekanntgegeben, daß mit der Entsendungdes „Panther" eine Besitzergreifung nicht beabsichtigtsei. Sie hat mit dem französischen Botschafter über dieAnerkennung des französischen Protektorats über Marokkogegen territoriale Kompensationen in Mittelafrika schonverhandelt, ehe Lloyd George am 21. Juli seine berühmtgewordene Rede im Mansion-House hielt. Wie wenig aberden sich für Marokko interessierenden deutschen Kreisender Gedanke, aus Marokko ganz herauszugehen, in denKopf wollte, zeigt folgender kleine Vorfall:
Nachdem Kiderlen, der am 1. Juli, dem Tag des Er-scheinens des „Panther" vor Agadir, von Berlin abwesendwar, zurückgekehrt war, besuchte ich ihn im AuswärtigenAmt. Ich traf im Vorzimmer einen bekannten alldeutschenSchriftsteller, der mir erzählte, er habe sich bei Kiderlenanmelden lassen, um ihm zu der Sicherung des deutschenAnteils an Marokko zu gratulieren. Als mich Kiderlen
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