Die Sonderkonferenz in Paris
jeder österreichisch-serbische Konflikt die eminente Ge-fahr des Weltkriegs unmittelbar heraufbeschwören würde.
Meine Wahrnehmungen bei der Pariser Konferenz zurRegelung der aus dem Balkankrieg erwachsenen finan-ziellen Fragen bestärkten diese Überzeugung. Die Kon-ferenz übertrug mir den Vorsitz der Kommission, dieüber die Übernahme eines Teiles der türkischen Staats-schuld durch die Balkanstaaten, denen im Londoner Prä-liminarfrieden der größte Teil der europäischen Türkeizugesprochen worden war, beraten sollte. Ich hatte Ge-legenheit, zu beobachten, bis zu welchem Grade der Über-hebung und Herausforderung die kriegerischen Erfolgegegen die Türkei die serbischen Gemüter erhitzt hatten,wie der russische Botschafter Iswolksi nicht nur die Ver-treter der Balkanstaaten dirigierte und aufreizte, sondernauch die französischen Vertreter an der Leine hielt. Aneiner gerechten Lösung gerade der in meiner Kommissionzu entscheidenden Fragen war Frankreich, als weitausgrößter Gläubiger der Türkei, weitaus am stärksten inter-essiert. Aber die französische Regierung und ihre Ver-treter stellten selbst diese großen Interessen zurück, umnicht mit Rußland in Differenzen zu kommen. Der eng-lische Vertreter, Sir Paul Harvey, der Berichterstatterin meiner Kommission war, verhielt sich sachlich undloyal. Dagegen erwies sich die italienische Vertretung, diehauptsächlich durch Herrn Volpi, den Unterhändler desFriedens von Lausa nne, geleitet wurde, als unzuverlässig und
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